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Institut für Virusdiagnostik (IVD)

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Nationales Referenzlabor für Klassische Schweinepest (KSP)

Die Klassische Schweinepest (KSP) ist eine weltweit vorkommende, verlustreiche Tierseuche mit großer handelspolitischer und ökonomischer Relevanz. Sie zählt zu den international  anzeigepflichtigen Erkrankungen. Eine prophylaktische Impfung ist in der Europäischen Union verboten. Die Erkrankung betrifft ausschließlich Haus- und Wildschweine.

Der Erreger der KSP ist ein kleines, behülltes RNA-Virus aus dem Genus Pestivirus der Virusfamilie Flaviviridae. Eine enge Verwandtschaft besteht zu den für die Virusdiarrhoe des Rindes (BVD) und die Border Disease des Schafes (BD) verantwortlichen Pestiviren. Diese Verwandtschaft ist für die KSP-Diagnose insofern bedeutsam, als Kreuzreaktionen auftreten, die zu falsch-positiven Laborbefunden führen können. Abhängig von Wirts- bzw. Erregereigenschaften (Virulenz des Isolates) sowie des Infektionszeitpunktes (prä- oder postnatal) kann die KSP in der akuten, chronischen oder "late onset" Verlaufsform auftreten. Besonders die letzteren Formen bereiten Schwierigkeiten bei der klinischen Diagnose und tragen so in besonderem Maße zur Verbreitung des Virus bei.

Die Dimensionen einer KSP-Epidemie verdeutlichen die Zahlen aus den Niederlanden, wo in den Jahren 1997/98 ein verheerender Seuchenzug mit insgesamt 429 Ausbrüchen zu einer Tötung von über 12 Millionen Schweinen führte. Die direkt entstandenen Kosten wurden mit 2,3 Milliarden EUR angegeben.

Die Aufgaben eines nationalen Referenzlabors für KSP sind auf Ebene der EU in der Richtlinie des Rates 2001/89/EG in Anhang III festgelegt. Zu diesen gehören:

  • Direkter Ansprechpartner für Bundes- und Länderbehörden zu Fragen der KSP-Bekämpfung
  • Durchführung bestätigender Antigen- bzw. Genomnachweis
  • Antikörpernachweise zur Abklärung unklarer Ergebnisse (Differentialdiagnostik)
  • Bereithaltung von Virusstämmen und Referenzseren
  • Chargenprüfung von KSP-Diagnostika (ELISA, Konjugate) und KSP-Impfstoffen
  • Überprüfung, Standardisierung und Weiterentwicklung von KSP-spezifischen Testverfahren
  • Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen zum Beispiel für Mitarbeiter der Untersuchungsämter
  • Durchführung nationaler Ringvergleichstests
  • Teilnahme an EU-Ringtests
  • Beteiligung an Arbeitsgruppen und Forschungsprojekten der Europäischen Union
  • Forschungsarbeit zur Weiterentwicklung und Standardisierung der KSP Diagnostik sowie zu Fragen der Pathogenese oder Immunisierung
  • Zellkultureller Virusnachweis (Virusisolierung)
  • Genomnachweis mittels real-time RT-PCR
  • Multiplex real-time RT-PCR zur Differenzierung von Feld- und Impfvirus
  • Stammcharakterisierung durch Genomsequenzierung
  • Antikörpernachweis mittels Neutralisationstest und ELISA
  • Panel von mehr als 200 Referenzseren
  • Verschiedene KSP-Referenzstämme
  • Probenpanel zur Testung neuer Diagnoseverfahren (v. a. ELISA und PCR)
  • Entwicklung und Erprobung neuer Markerimpfstoffe
  • Optimierung der oralen Immunisierung des Schwarzwildes
  • Paradigmenwechsel in der Bekämpfung der KSP
  • Pathogenitätsstudien mit aktuellen KSP-Virusisolaten
  • Molekulare Epidemiologie aktueller KSPV-Isolate
  • Optimierung der KSP-Diagnostik von der Probenentnahme bis hin zur Laboruntersuchung
  • Verordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest (Schweinepest-Verordnung)
  • Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen
  • Richtlinie 2001/89/EG über Maßnahmen der Gemeinschaft zur Bekämpfung der klassischen Schweinepest
  • KSP-Diagnosehandbuch (2002/106/EG) mit technischen Anhang