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Institut für Virusdiagnostik (IVD)

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OIE und Nationales Referenzlabor für Aviäre Influenza (AI) / Geflügelpest

Informationen des FLI zur aktuellen AI-Situation

Aviäre Influenza (AI) / Geflügelpest
Radar Bulletin Deutschland

Aquatisch lebende Wildvögel stellen das wesentliche Reservoir aller in der Natur bei Vögeln vorkommenden Influenza A Virussubtypen dar (aviäre Influenza, AIV: derzeit 16 H und 9 N Subtypen). In diesem Wirtspool perpetuieren AI Viren in der Regel ohne größere klinische Auswirkungen auf ihre Wirte. Entsprechende Expositionsmöglichkeiten sowie Dispositionen auf Wirts- wie auf Virusseite vorausgesetzt, sind jedoch auch Übergänge aus diesem Reservoir auf Geflügel und auch auf Säugetiere - den Menschen eingeschlossen - möglich.

AI Viren der Subtypen H5 und H7 können in Geflügel spontan zu einer hochpathogenen Form mutieren (hochpathogene aviäre Influenzaviren, HPAIV), die die eigentlichen Erreger der Klassischen Geflügelpest darstellen. Die Klassische Geflügelpest verläuft besonders in Hühner- und Putenbeständen mit sehr hohen Verlustraten und ist daher weltweit von großer wirtschaftlicher Bedeutung. HPAIV, aber auch einige für Geflügel niedrigpathogene AIV (LPAIV), können bei Exposition gegenüber einer hohen Infektionsdosis auch auf den Menschen übertragen werden und dort tödlich verlaufende Erkrankungen auslösen. Beispiele hierfür sind die HPAIV des Subtyps H5N1 sowie das in China nachgewiesene LPAIV H7N9.

Vorbeugung und Bekämpfung der Klassischen Geflügelpest sind durch die Geflügelpestverordnung bundeseinheitlich gesetzlich gemaßregelt. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf Biosicherheitsmaßnahmen, die vor dem Eindringen der Erreger in Geflügelhaltungen schützen und deren Verbreitung in der Geflügelpopulation verhindern sollen. Der frühzeitigen Entdeckung etwaiger Infektionen im Geflügelbereich kommt entscheidende Bedeutung bei; hierzu leistet die infektiologische Diagnostik einen maßgeblichen Beitrag. In dieses Konzept sind auch ausgedehnte Monitoringuntersuchungen bei Wildvögeln und Geflügel eingebunden.

Das NRL für AIV fungiert als direkter Ansprechpartner und Referenzzentrum für Behörden des Bundes und der Länder, vor allem in Fragen der Diagnostik, und ist auch im europäischen Verbund der Nationalen Referenzlabore aktiv. Als Referenzlabor der Weltgesundheitsorganisation für Tiere (O.I.E.) sowie der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen steht das Labor auch außereuropäischen Ländern für Beratungen und diagnostische Hilfestellungen zur Verfügung. Das Labor betreibt anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet der AIV-Diagnostik, Epidemiologie und Pathogenese. Weiterhin werden wissenschaftliche Fragestellungen zur porcinen Influenza (Schweinegrippe) bearbeitet.

Diagnostik
  • Virus-, Antigen- bzw. Genomnachweis in Untersuchungsmaterial von Geflügel, Wildvögeln und Schweinen
  • Identifizierung von aviären und porcinen Influenza-Virusisolaten
  • Charakterisierung der Pathogenität aviärer Virusisolate durch Bestimmung des intravenösen Pathogenitätsindex und/oder Sequenzierung der Spaltstelle des Hämagglutinins
  • Identifizierung von Influenza-A-Viren der Subtypen H5 und H7
  • Bestimmung des Hämagglutinin- und des Neuraminidase-Subtyps von Influenza-A-Isolaten
  • Untersuchung von Geflügel- und Wildvogelseren auf Antikörper gegen Influenzavirus insbesondere vom Subtyp H5 und H7
Betreuung und Überwachung
  • Koordinierung der in den regionalen Untersuchungsämtern angewandten Diagnoseverfahren
  • Asservierung von Virusisolaten aus bestätigten Seuchenfällen und Übergabe ausgewählter Isolate an das EU-Referenzlabor
  • Sammlung und Konservierung von Referenzvirusstämmen, Antigenen und Antiseren
  • Teilnahme an EU-Ringtesten
  • Durchführung nationaler Laborvergleichsuntersuchungen (Ringtest)
Beratung
  • Direkter Ansprechpartner für Bundes- und Landesbehörden zu Fragen der AI-Diagnostik und Bekämpfung
  • Beratertätigkeiten für O.I.E., FAO und WHO bezüglich aviärer Influenzavirusinfektionen
  • O.I.E. Twinninglabor für Nationales AI-Referenzlabor Ägyptens
Forschung
  • Beteiligung an Arbeitsgruppen und Forschungsprojekten der Europäischen Union
  • Forschungsarbeit zur Weiterentwicklung und Standardisierung der AI-Diagnostik sowie zu Fragen der Pathogenese oder Immunisierung und zum Vorkommen von Influenzaviren bei Wildvögeln

Die im NRL für AI angewendeten Standard-Diagnostikverfahren sind in den aktuellen „Arbeitsanleitungen zur Diagnose anzeigepflichtiger Tierseuchen“ (Herausgeber: BMELV) aufgeführt. Im einzelnen werden folgende Methoden durchgeführt:

  • Virusisolierung im bebrüteten Hühnerei
  • Genomnachweis mit PCR
  • Bestimmung des Hämagglutinin-Subtyps mittels Hämagglutinations-Hemmungstest (HAH), PCR/Sequenzierung sowie DNS-Chip
  • Pathogenitätsbestimmung durch Sequenzierung der Spaltstelle des Hämagglutinins und/oder Bestimmung des intravenösen Pathogenitätsindex (IVPI)
  • Bestimmung des Neuraminidase-Subtyps mittels PCR, DNS-Chip sowie Neuraminidase-Hemmtest
  • Nachweis von Antikörpern gegen Influenzaviren mittels ELISA
  • Nachweis von Antikörpern gegen AIV Subtypen H1 bis H16 mittels HAH sowie Subtypisierung von Antikörpern
  • Nachweis neutralisierender Antikörper gegen Influenzaviren
  • Charakterisierung ägyptischer HPAIV H5N1 und H9N2 (Förderung durch DAAD; Doktorand M. Naguib)
  • Europaweites Monitoring porciner Influenzaviren (Förderung durch IDT Biologika; Doktorandin D. Henritzi)
  • Untersuchungen zur Spontanmutation niedrigpathogener AIV des Subtyps H7 (intramurale Förderung; Doktorandin A. Graaf)
  • Eintrags- und Verbreitungsrisiken hochpathogener AIV in europäischen Geflügelhaltungen (EFSA-Arbeitsgruppe)
    Bericht zum Stand 1. Juni 2016