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Institut für Tierernährung (ITE)

Zusatzstoffe (wie Kräuter, ätherische Öle, Seltene Erden, Aminosäuren, Spurenelemente, Vitamine):

Einfluss eines gestaffelten Gehaltes von Bohnenkraut im Mastfutter auf Wachstums- und Schlachtmerkmale beim Broiler

Leistungsförderer als Futterzusatzstoffe
Das Verbot der Antibiotika als Leistungsförderer im Tierfutter (01.01.2006) in der EU erfordert die Suche nach alternativen Substanzen. Eine Kombination aus guten Produktionsbedingungen und der Supplementierung der Futtermischungen mit so genannten „pronutrients“, die organische Säuren, Enzyme, Pro- oder Prebiotika, verdauliche Fasern, hochverdauliche Nährstoffe und Kräuter umfassen, sollen zur Realisierung dieses Zieles beitragen. Dabei kommen immer wieder neue Pflanzen oder Teile von ihnen oder daraus gewonnene Substanzen dazu, sowie noch weitestgehend unbekannte Pflanzen aus ursprünglichen Waldregionen, die mit moderner Analysentechnik untersucht werden. Die Tierernährung nutzt bereits aus der Humanmedizin bekannte Wirkungsspektren von Kräutern und Extrakten und prüft deren Potential in wissenschaftlichen Untersuchungen. Schon in den Jahren 1955-1957 wurde über den Einfluss von proteolytischen Pflanzenfermenten und antibiotischen Inhaltsstoffen von Blütenpflanzen auf das Wachstum von Geflügel berichtet. 1982 wurde bei einer Reihe von Naturstoffen (Gewürzen) nachgewiesen, dass diese eine wachstumsfördernde Wirkung entfalten und die Futterverwertung verbessern. Die Prüfung von Naturprodukten (Eleutherococcus-Wurzelextrakt, Pollenextrakte, Zwiebelpulver, Heil- und Gewürzpflanzen) ab den 80er Jahren ergab insbesondere für die Supplementierung von Zwiebelpulver zum Futter einen gesichert positiven Einfluss auf die Mastendmasse und den Futteraufwand beim Broiler.

Phytogener Zusatzstoff Bohnenkraut
Die Gewürzpflanze Bohnenkraut (Satureja hortensis L.) ist im östlichen Mittelmeerraum heimisch und soll im 9. Jahrhundert von Benediktiner-Mönchen über die Alpen nach Mitteleuropa gebracht worden sein. Bohnenkraut gedeiht unter unseren klimatischen Bedingungen optimal und lässt sich relativ einfach kultivieren. Daraus resultiert ihre besondere Bedeutung als Futterzusatzstoff in der Ernährung von Tieren. Die Pflanzenzüchter sind bemüht, den Gehalt an ätherischem Öl im Bohnenkraut auf die Größenordnung von Oregano (etwa 5 ml/100 g) anzuheben, um so den Einsatz in der Tierernährung noch effektiver zu gestalten.

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Einfluss eines gestaffelten Gehaltes von Bohnenkraut im Mastfutter auf Wachstums- und Schlachtmerkmale beim Broiler

Es wurden 2 Untersuchungen an männlichen Broilerküken über eine Versuchsdauer von 35 Tagen durchgeführt. Geprüft wurde der Einfluss einer gestaffelten Supplementierung von Bohnenkraut ins Futter und einem Fütterungsbeginn ab dem 1., 15. oder 22. Lebenstag der Tiere im 1. Versuch. Im Versuch 2 konnten die Tiere von 2 Gruppen zwischen dem Kontrollfutter und dem Bohnenkrautfutter wählen. Im Versuch 1 war die tägliche Futteraufnahme der Mastbroiler insbesondere in der Gruppe mit 2,5 g Bohnenkraut pro kg Futter und einem Fütterungsbeginn ab dem 1. Lebenstag, der Gruppe mit 5 g Bohnenkraut pro kg und dem Beginn der Fütterung dieser Mischung ab dem 22. Lebenstag und den beiden Gruppen, die ab dem 1. und 15. Lebenstag 10 g Bohnenkraut pro kg erhielten, reduziert, was zu einer statistisch gesichert geringeren Lebendmassezunahme  sowie einer verminderten Schlachtausbeute im Vergleich zur Kontrolle sowie weiteren Versuchsgruppen führte. Der Futteraufwand war zwischen den Gruppen im Mittel der 35 Masttage gleich. Im Versuch 2 kam es in den beiden Wahlgruppen im Mittel der Mastperiode zu keiner bevorzugten Aufnahme des Kontrollfutters oder des Futters mit Bohnenkraut. Im Endmastabschnitt (22.-35. Tag) erreichten die Broiler der Wahlfuttergruppe mit Kontroll- und 5 g Bohnenkrautfutter die höchsten Lebendmassezunahmen im Vergleich zu den weiteren Gruppen. Resultierend daraus war der Futteraufwand in der Endmastphase dieser Wahlfuttergruppe am niedrigsten sowie im Mittel der gesamten Prüfperiode gesichert besser. Die Ausschlachtung ergab einen teilweise gesichert höheren Anteil an Brustfleisch und niedrigeren Anteil an Abdominalfett bei der Gruppe mit 5 % Bohnenkraut im Futter im Vergleich zu den anderen Gruppen. 

Literatur 

  • Halle, I., Thomann, R., Bauermann, U. (2008) Einfluss eines gestaffelten Gehaltes von Bohnenkraut im Mastfutter auf Wachstums- und Schlachtmerkmale beim Broiler. Arch. Geflügelk., 72 (3), 129-135.
  • Halle I, Thomann R, Bauermann U, Henning M, Köhler P (2004) Einfluss einer gestaffelten Supplementierung von Kräutern oder ätherischen Ölen auf Wachstum und Schlachtkörpermerkmale beim Broiler. Landbauforsch Völkenrode 54(4):219-229
  • Halle I, Thomann R (2004) Effects of Savoury, Nigella sativa L. and Cacao husks on growth and carcass composition of broiler chickens. Proc Soc Nutr Physiol 13:147 [Abstract] 
  • Halle, Ingrid; Bauermann, U.; Thomann, R. (2007) Effects of blackcurrant (Ribes nigrum L.) and blueberry (Vaccinium angustifolium on growth and carcass composition of broiler chickens. Proceedings of the Society of Nutrition Physiology, Band 16:95, Abstract  
  • Halle, Ingrid; Thomann, R.; Friebel, H.; Grün, M.; Henning, Martina; Köhler, P.; Flachowsky, Gerhard (2008) Influence of woad (Isatis tinctoria) and ginkgo (Ginkgo biloba) on growth of broiler chickens. Proceedings of the Society of Nutrition Physiology, Band 17, englisch
    ISBN10: 3-7690-4100-2; ISBN13: 978-3-7690-4101-9
  • Halle, Ingrid; Thomann, R.; Bauermann, Ulrike (2008) Einfluss einer gestaffelten Supplementierung von Kräutern oder ätherischen Ölen auf Wachstum und Schlachtkörpermerkmale beim Broiler. Rekasan-Journal, Band 15, Heft 29-30, Seite 93-96, deutsch ISSN: 1437-3807
  • Halle, Ingrid; Thomann, R.; Bauermann, Ulrike (2008) Einfluss eines gestaffelten Gehaltes von Bohnenkraut im Mastfutter auf Wachstums- und Schlachtmerkmale beim Broiler.
    Archiv für Geflügelkunde, Band 72, Heft 3, Seite 129-135, deutsch
    ISSN: 0003-9098

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Einfluss der grünen Mikroalge Chlorella vulgaris auf die Leistungsmerkmale von Hennen

Chlorella vulgaris, eine natürlich vorkommende Grünalge, wurde kultiviert und findet in der Industrie und in der Ernährung immer mehr Beachtung. Ihre Inhaltsstoffe sollen die tierische Leistung und Gesundheit einschließlich der Reproduktion und Eiqualität positiv beeinflussen. Die bereits vorhandenen Ergebnisse sind allerdings noch fragwürdig und der Nährwert der C. vulgaris hängt von dem technologischen Verarbeitungsprozess ab. Die unterschiedlichen Wärmeprozesse, die mit dem Ziel, die robuste Algenzellwand zu zerstören, angewendet wurden, führten zu einer Denaturierung der Aminosäuren und oder weiterer aktiver Bestandteile der Chlorella-Zellen und beeinflussten die Verdaulichkeit des Proteins der Alge. In der jetzigen Untersuchung wurden zwei technologisch unterschiedlich behandelte Algen (sprühgetrocknet; auf Kugelmühlen gemahlen und dann sprühgetrocknet) dem Legehennenfutter zugegeben. Der Einfluss einer solchen Supplementierung wurde in einem Langzeitversuch an Hennen und in zwei kurzfristigen N-Stoffwechselversuchen untersucht.

In dem Fütterungsversuch wurden 182 Legehennen (Lohmann Braun) in 7 Gruppen a 26 Hennen aufgeteilt und in Einzelhaltung in einer Käfigbatterie untergebracht. Die Untersuchung begann mit der 22. Lebenswoche der Hennen und dauerte 8 Legemonate. Die Hennen wurden künstlich besamt. Die gelegten Eier wurden täglich pro Henne erfasst und der Futterverzehr pro Tier einmal im Monat. Die Wägung der Eier fand an vier Tagen in zwei Wochen in jedem Legemonat statt. Im dritten und sechsten Legemonat wurden alle Eier über einen Zeitraum von drei Tagen gesammelt und die Eizusammensetzung (Dotter-, Eiklar-,  Eischalenmasse, Dotterfarbe) ermittelt. Weiterhin wurden im zweiten und fünften Legemonat über einen Zeitraum von 10 Tagen 5-10 Eier pro Henne gesammelt und in einen Brutapparat eingelegt. Der Basisfuttermischung wurde 0/2,5/5,0/7,5 g SD C. vulgaris oder BM-SD C. vulgaris pro kg zugesetzt. In den zwei Stoffwechselversuchen wurden 36 Hennen auf drei (Versuch 1) bzw. 4 (Versuch 2) Gruppen aufgeteilt. Während der Stoffwechselversuche erhielten die 24 Wochen alten Hennen 110 g Futter pro Tag.

In dem Fütterungsversuch war die Futteraufnahme der Hennen der Kontrollgruppe signifikant unterschiedlich zur Gruppe mit 7,5 g BM-SD C. vulgaris. Die Futteraufnahme der Hennen der weiteren Gruppen war gleich. Ebenso gab es keine gesicherten Unterschiede in der Legeintensität, dem Eigewicht, der Eimasseproduktion und der Futterverwertung  zwischen den Gruppen. Die Messungen zur Eiqualität ergaben eine tendenziell höhere Dottermasse, die signifikant unterschiedlich war in den Gruppen mit 5 g und 7,5 g SD und BM und 2,5 g BM im Vergleich zu den Kontrollhennen und der 2,5 SD-Gruppe während beider Messzeitpunkte. Die Supplementierung von 7,5 g SD ins Futter erhöhte gesichert das Gewicht der Eischale im 3. Legemonat. Die Untersuchung im 6. Legemonat ergab keine Unterschiede in der Eischalenmasse zwischen den Gruppen. Bemerkenswert ist die intensivere Dotterfärbung der Eier von allen SD- und BM-Gruppen im 3. Legemonat der Hennen. 3 Monate später waren die Unterschiede in der Dotterfärbung mehr zufällig. Die Brutparameter wurden durch die gestaffelte Supplementierung der Chlorella beider Behandlungsformen nicht verändert. In den beiden N-Bilanzversuchen wurde betreffend des Proteinansatzes kein gesicherter Unterschied zwischen der Kontrolle und den C. vulgaris Gruppen ermittelt. 

Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass eine Supplementierung der grünen Mikroalge C. vulgaris insbesondere am Beginn der Legeperiode die Anzahl und die Qualität der Eier sowie das Brutergebnis positiv beeinflusst. Kein nachteiliger Effekt der Mikroalge auf die Gesundheit der Hennen oder den Proteinansatz wurde festgestellt. Beide Herstellungsformen der C. vulgaris (sprühgetrocknet; auf Kugelmühlen gemahlen und dann sprühgetrocknet) sind deshalb als Futterzusatzstoff für Legehennen geeignet.

Literatur

  • Halle, I. Janczyk, P. Freyer, G. und W. B. Souffrant (2009) Effect of microalgae Chlorella vulgaris on laying hen performance. Archiva Zootechnica 12:2, 5-13
  • Jnancyk, P., Halle, I. und W. B. Souffrant (2009) Microbial community composition of the crop and ceca contents of laying hens diets supplemented with Chlorella vulgaris. Poultry Science 88:2324-2332

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