Deutschland erlebte 2025 den ersten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) nach vier seuchenfreien Jahrzehnten. Betroffen waren extensiv gehaltene Wasserbüffel auf einem kleinen Betrieb im Bundesland Brandenburg, direkt vor den Toren Berlins. Epidemiologische Untersuchungen datierten den Zeitpunkt der Einschleppung des Virus auf Ende Dezember 2024. Obwohl der Eintragungsweg weiterhin ungeklärt ist, ist eine Einschleppung durch den Menschen z.B. über das Mitbringen viruskontaminierter Lebensmittel aus von der MKS betroffenen Ländern am wahrscheinlichsten.
Woher kam das Virus und warum blieb die große Katastrophe aus?
Genetische Analysen zeigten, dass das in Brandenburg aufgetretene MKS-Virus zur Viruslinie O/ME-SA/SA-2018 gehörte und nahezu identisch mit einem Virus war, das Ende November 2024 im Osten der Türkei nachgewiesen wurde. Die Untersuchungen belegen zudem, dass diese Viruslinie ursprünglich aus Südasien stammt, sich anschließend über Westasien ausgebreitet hat und sich durch den Austausch genetischen Materials mit anderen MKS-Viren weiter verändert hat. Eine Netzwerkanalyse ergab eine minimale Vernetzung der tierhaltenden Betriebe in der betroffenen Region, und Ausbruchssimulationen sagten ein geringes Potenzial für eine Weiterverbreitung voraus. Dies bewahrheitete sich, da der deutsche Ausbruch letztendlich auf einen einzigen Bestand begrenzt blieb und durch die strengen behördlichen Maßnahmen schnell eingedämmt werden konnte.
Dennoch betont auch der begrenzte Ausbruch das ständige und unvorhersehbare Risiko einer Einschleppung des MKS-Virus. Angesichts der weltweiten Verbreitung der MKS sind eine frühzeitige Erkennung durch eine hohe Aufmerksamkeit von Tierhaltern und Tierärzten und routinierte Differentialdiagnostik ebenso wichtig wie das sofortige Handeln direkt nach einem Nachweis. Hierzu ist auch die internationale Zusammenarbeit von Veterinärbehörden, Laboren und Experten unerlässlich.
Bei der Bekämpfung von Tierseuchen kann die Impfung eine zentrale Rolle spielen. Insbesondere bei MKS muss der Impfstoff auf das Ausbruchsvirus abgestimmt sein, um einen Schutz zu erzielen und eine Verbreitung zu minimieren. In der EU werden nach geltendem Recht allerdings auch die im Zuge der Tierseuchenbekämpfung geimpften Tiere letztendlich getötet. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) setzt sich dafür ein, gesunde geimpfte Tiere am Leben zu lassen und einer normalen Nutzung zuzuführen. Dies sollte entsprechend wieder im Europäischen Tiergesundheitsrecht verankert werden. Hierzu erschien jetzt in der Fachzeitschrift Vaccine ein wissenschaftlicher Kommentar, der diese Forderung ausführlich begründet.
Das MKS-Virus ist einer der gefürchtetsten und folgenschwersten Krankheitserreger bei Wiederkäuern und Schweinen weltweit. Es kann sich durch den grenzüberschreitenden Transport von Tieren, tierischen Erzeugnissen und Nebenprodukten rasch ausbreiten. Die wirtschaftlichen Folgen sind schwerwiegend, da zu den Bekämpfungsmaßnahmen nicht nur Tötungen betroffener Bestände, sondern auch weitreichende und langwierige Transport- und Handelsverbote in vielen Bereichen der Agrar-, Lebensmittel- und Ernährungswirtschaft gehören und insbesondere Drittländer umgehend Importe aus betroffenen Staaten einstellen.
Übrigens: Friedrich Loeffler vermeldete am 10.10.1910 die Aufnahme der Forschungen zur Maul- und Klauenseuche am heutigen Hauptstandort Insel Riems des nach ihm benannten Instituts. Das Thema MKS ist auch nach 116 Jahren nach wie vor aktuell.
Buffaloed in Brandenburg: Germany’s first Brush with Foot-and-Mouth Disease after four Decades of Freedom
Michael Eschbaumer, Christoph Staubach, Florian Pfaff, Jörn Gethmann, Katja Schulz, Lisa Rogoll, Sabine Bock, Wulf-Iwo Bock, Christoph Schulze, Ronny Marquart, Nicole Reinhardt, Stephan Nickisch, Nadine Kakerow, Sabrina Freter, Annett Rudovsky, Kerstin Albrecht, Sandra Leo, Christina Haarmann, Sarah Lenz, Barbara Hoffmann, Sten Calvelage, Dirk Höper, Patrick Zitzow, Angele Breithaupt, Can Çokçalişkan, Ünal Parlak, Sharon Karniely, Laith Mohammed Salih Abdulrasool, Nick Knowles, Guillaume Girault, Aurore Romey, Labib Bakkali Kassimi, Donald P. King, Christa Kühn, Carola Sauter-Louis, Martin Beer
bioRxiv 2026.03.30.713672; doi: https://doi.org/10.64898/2026.03.30.713672
Martin Ganter, Müller Kerstin, J. Böttcher, K. Donat, M. Eschbaumer, J. Gethmann, M. Holsteg, J. Hilke, L. Kreienbrock, M. Bastian, U. Truyen, C.G. Baums, S. Rautenschlein: Reconsidering vaccinate-to-live strategies in EU foot-and-mouth disease control
Vaccine, Volume 93, 2026, 129217, ISSN 0264-410X,
