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Institut für Nutztiergenetik (ING)

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Deutsche Genbank für landwirtschaftliche Nutztiere

Foto: Container zur Kryokonservierung (© FLI)
Container zur Kryokonservierung

Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung genetischer Ressourcen von Nutz- und Forstpflanzen sowie Nutztieren, für die im vergangenen Jahrzehnt spezifische Fachprogramme (Pflanzen, Forst, Tiere, Fische, u.a.) entwickelt wurden, ist ein erklärtes Ziel der Bundesregierung. Neben der Lebenderhaltung und somit landwirtschaftlichen Nutzung von Tieren spielt die Tiefgefrier- oder Kryokonservierung von Keimzellen und somatischen Zellen eine erhebliche Rolle bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt. Keimzellen von Nutztieren (Samen-, Eizellen oder Embryonen) sowie andere Körperzellen können nur im „Kälteschlaf“ bei -196°C in Stickstoff dauerhaft ohne Schaden gelagert werden.

Die Genbank landwirtschaftlicher Nutztiere wird als Netzwerk entsprechender Einrichtungen von Bund und Ländern organisiert. Sie basiert auf einer Bund-Länder-Vereinbarung, die am 1. Januar 2016 in Kraft trat. Das Institut für Nutztiergenetik am Standort Mariensee des Friedrich-Loeffler-Instituts hat die Aufgabe übernommen, die Deutsche Genbank landwirtschaftlicher Nutztiere zur Erhaltung der genetischen Vielfalt bei Nutztieren aufzubauen und zu unterstützen. Dazu wurde ein Teil der vorher genutzten Container durch eine moderne Kryoanlage ersetzt und für die einzelnen Nutztierspezies eine getrennte Lagerung entsprechend den gesetzlichen Vorschriften eingerichtet.

Gegenwärtig enthält das Lager die im Institut seit den 1990er Jahren angelegten Genreserven des Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindes (DSN) mit Samen von mehr als 80 Bullen sowie Embryonen aus Anpaarungen innerhalb der Marienseer Herde und mit Tieren anderer Züchter.

In den Jahren 2012 bis 2015 haben niedersächsische Schafzüchter insgesamt 126 Zuchtböcke aus 9 verschiedenen Rassen zur Verfügung gestellt, um Sperma für die Genreserve zu gewinnen. Dazu wurden die Schafböcke geschlachtet, das Sperma post mortem aus den Nebenhoden entnommen, verdünnt und eingefroren. Nach dem gleichen Protokoll sind Ende 2015 für das Land Thüringen Reserven von 13 Böcken der Rassen Rhön-, Leine- und Merinofleischschafe gebildet worden. Die Genreserve für Schweine, die an der Universität Göttingen (Besamungsstation des Tierärztlichen Instituts der Fakultät für Agrarwissenschaften) in den späten 1990er Jahren mit Hilfe finanzieller Mittel des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums eingerichtet wurde, ist inzwischen ebenfalls nach Mariensee verlagert worden.

Ein laufendes Projekt betrifft die Konservierung von Hahnensperma. Ziel ist die Erhaltung einheimischer Hühnerrassen diversen Ursprungs. Hierzu wurden 12 Rassen der aktuellen Roten Liste in Kooperation mit dem Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG e.V.) und der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH e. V.) ausgewählt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert.

Die offizielle Eröffnung der Deutschen Genbank seitens des BMEL und der beteiligten Bundesländer erfolgte am 24. März 2016.