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Nationales Referenzlabor für Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (TSEs)

Das FLI ist als nationales Referenzlabor für alle Formen von TSEs (Prionerkrankungen) bei Tieren bestellt.


Zu den TSEs zählen eine Reihe von Erkrankungen, wie zum Beispiel die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE) der Rinder, die Scrapie (Traberkrankheit) der Schafe und Ziegen, Chronic Wasting Disease (CWD) bei Hirschen, die Transmissible Mink Encephalopathy (TME) bei Nerzen, die Feline Spongiforme Enzephalopathie (FSE) bei Katzen und die Camel Prion Disease (CPD) bei Kamelen.

Alle TSEs sind infektiöse neurodegenerative, stets fatal verlaufende Erkrankungen, die ätiologisch bei den Proteinfehlfaltungskrankheiten ein- und dort den Prionerkrankungen zugeordnet werden. Ursächlich ist die Umwandlung des zellulären membrangebundenen Prion Proteins (PrPc) in eine teilweise Protease-resistente pathologische Form (PrPSc), die sich im Zentralem Nervensystem betroffener Tiere ablagert. Die Infektion erfolgt oral über kontaminiertes Futter bzw., mit Ausnahme der BSE, über kontaminierte Weiden. Alle TSEs sind durch lange Inkubationszeiten von mehreren Monaten bis Jahren gekennzeichnet. Das klinische Bild der Erkrankung tritt daher nur bei erwachsenen Tieren auf und ist abhängig von der betroffenen Tierart und dem vorliegenden Prionstamm. Im Vordergrund stehen meist Verhaltensänderungen (z.B. Absonderung von der Herde, Nervosität), neurologische Ausfälle (z.B. Bewegungsstörungen, Tremor, Hyperästhesie) und eine fortschreitende Abmagerung bei erhaltenen Appetit. Insbesondere Schafe zeigen zudem häufig einen ausgeprägten Juckreiz.

Bei kleinen Wiederkäuern und Zerviden gibt es eine genetische Prädisposition für die Erkrankung. Punktmutationen im Prion-Protein Gen, die zum Austausch einzelner Aminosäuren im Aufbau des Prion-Proteins führen, können zu einer erhöhten Empfänglichkeit bzw. Resistenz gegenüber der Erkrankung beitragen. Dies wird bei kleinen Wiederkäuern gezielt genutzt, um u.a. über züchterische Einflussnahme die Erkrankung zu bekämpfen.

Die klassischen Prionerkrankungen treten meist in einem Alter von 2-5 Jahren auf, dies betrifft insbesondere die Klassische BSE beim Rind, die Klassische Scrapie bei Schaf und Ziege, sowie die CWD der Zerviden. 

Bei älteren Tieren werden hingegen sogenannte Atypische TSE Formen beobachtet, die als sporadische altersassoziierte Erkrankungen spontaner Ätiologie betrachtet werden und unter natürlichen Bedingungen nur sehr schwer bis gar nicht übertragbar sind. Dazu gehören bei Rindern die Atypische BSE vom H- und L-Typ und beim kleinen Wiederkäuer die Atypische Scrapie. Mit dem Auftreten der CWD in Nordeuropa sind zudem beim Elch und Rothirsch ähnliche Prionstämme nachgewiesen worden. Deren genaue Charakterisierung dauert jedoch noch an.

BSE ist auf den Menschen (Zoonose-Erreger!) und auf andere Tierarten übertragbar. Natürliche Übertragungen wurden beim Menschen (Variante Creutzfeldt-Jakob-Krankheit), bei Feliden (Feline Spongiforme Enzephalopathie, FSE) sowie bei Ziegen nachgewiesen. Experimentell sind auch Schafe infizierbar. Inwieweit CWD auf den Menschen bzw. auf andere Tierarten übertragbar ist, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Das Risiko wird derzeit jedoch als sehr gering angenommen.

In der EU wird gemäß Verordnung EU 999/2001 ein BSE- und Scrapie-Überwachungsprogramm mittels Schnelltestverfahren durchgeführt (aktive Surveillance). Zur Untersuchung dürfen dabei nur solche Tests verwendet werden, die für die Untersuchung dieser Spezies zugelassen sind (Liste s.u.). Die Bestätigung eines reaktiven Testergebnisses bzw. aller anderen Verdachtsdiagnosen, muss jedoch am nationalen Referenzlabor (NRL) für TSE am FLI auf der Insel Riems erfolgen.

Im NRL sind alle relevanten diagnostischen Methoden zum Nachweis des PrPSc, das auch als Marker der Erkrankung dient, etabliert. Bei diesen Untersuchungen werden zudem die Atypischen und Klassischen TSE Formen differenziert. Verwendet werden dürfen ausschließlich die von der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) anerkannten Methoden. Dazu gehören immunhistologische Untersuchungen, proteinbiochemische Verfahren (sog. OIE-SAF-Immunoblot), die Kombination verschiedener Schnelltestsysteme und in Zweifelsfällen auch der Nachweis von Infektiosität im Mausmodell. 

  • Antigen- bzw. Genomnachweis in Untersuchungsmaterial
  • Antikörpernachweis
  • Ansprechpartner für Bundes- und Länder- sowie EU-Behörden zu Fragen der Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathien - Diagnostik und Bekämpfung
  • Charakterisierung von Virusisolaten
  • Überprüfung, Standardisierung und Weiterentwicklung von diagnostischen Verfahren
  • Teilnahme an Ringtests (national und international)
  • Beteiligung an nationalen und internationalen Arbeitsgruppen und Forschungsprojekten
  • Virusisolierung und Anzucht in vitro
  • Genomnachweis mittels RT-PCR (quantitativ)
  • Stammcharakterisierung durch Genomsequenzierung
  • Quantitativer Nachweis neutralisierender Antikörper (Serumneutralisationstest, Plaque-Reduktionstest, Surrogat-Testformate)
  • Serologischer Nachweis von Antikörpern mit ELISA-Testen inklusive Differenzierung der Immunglobulinklassen
  • Immunfluoreszenz-basierter Nachweis von Antikörpern (iIFA)
  • Probenpanel zur Testung neuer Diagnoseverfahren (RT-PCR)

Links

Nationales Referenzlabor für BSE
Nationales Referenzlabor für TSEs bei kleinen Wiederkäuern (Scrapie) und bei Wildwiederkäuern