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Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen (IBIZ)

Nationales Referenzlabor für Vibrionenseuche der Rinder

Die Vibrionenseuche der Rinder ist eine durch Infertilität, frühe embryonale Mortalität und Abort charakterisierte, venerische Erkrankung. Sie wird heute mit dem Begriff bovine genitale Campylobacteriose bezeichnet.

Der Erreger der bovinen genitalen Campylobacteriose ist Campylobacter (C.) fetus ssp venerealis (enzootischer Abort), ein Bakterium mit ausgeprägtem Tropismus für den Genitaltrakt des Rindes. Infektionen mit diesem Erreger sind anzeigepflichtig. Der Präputialsack klinisch gesunder Bullen ist das natürliche Erregerreservoir. Davon abzutrennen sind Infektionen mit C. fetus ssp. fetus. Dieser Keim hat seinen natürlichen Standort im Intestinaltrakt des Rindes, doch kann er ebenfalls Aborte auslösen (sporadischer Abort). Die Erregerübertragung beim Rind erfolgt hauptsächlich durch den natürlichen Deckakt. Bullen zeigen meist keine Krankheitsanzeichen. Da klinisch gesunde Bullen die Erreger im Samen enthalten können, besteht die Gefahr der Verbreitung dieser Krankheit auch durch künstliche Besamung. Bei weiblichen Tieren sind geringe entzündliche Veränderungen im Scheiden- und Gebärmutterbereich zu beobachten. Hauptsymptome sind Fruchtbarkeitsstörungen, Aborte in jedem Trächtigkeitsstadium und Sterilität.

Nach der ersten Infektion im Bestand verläuft die Seuche akut mit plötzlichem Rückgang der Konzeptionsrate (z. T. unter 10 %). Im Verlauf der Zeit tritt die Erkrankung ins chronische Stadium ein, die älteren Tiere erlangen nach und nach ihre ursprüngliche Fruchtbarkeit wieder.

Die Unterschiede in der Epidemiologie und klinischen Bedeutung beider C.-fetus-Subspezies erfordern deren exakte Identifizierung und Differenzierung. Bei Aborten sind differentialdiagnostisch Brucellose, Trichomoniasis und Salmonellose auszuschließen.

  • Unterstützung der Untersuchungseinrichtungen der Bundesländer, z. B. durch Abklärung unklarer Befunde
  • Ausarbeitung und Aktualisierung von methodischen Empfehlungen zur Labordiagnostik
  • Methodische Verbesserungen der Differenzierungsverfahren
  • Abgabe von Referenzstämmen 

Erregernachweis

Es wurde eine Arbeitsanleitung zur Diagnostik der bovinen genitalen Campylobacteriose erarbeitet, die kürzlich aktualisiert (Stand Juli 2010) und unter der amtlichen Methodensammlung des FLI zu finden ist. Gegenwärtig basiert die traditionelle Differenzierung zwischen den beiden Subspezies auf einer einzigen phänotypischen Reaktion (Toleranz gegenüber 1 % Glyzin). Jedoch wurden Glyzin-tolerante C.-fetus-ssp.-venerealis-Varianten (als Biovar intermedius bezeichnet) beschrieben. Außerdem sind Glyzin-sensitive C.-fetus-ssp.-fetus-Isolate beobachtet worden.Daher stellt die nun möglich gewordene Differenzierung der beiden C.-fetus-Subspezies mittels PCR zweifelsohne den größten methodischen Fortschritt der letzten Jahre dar. Dieser Test wurde bei uns eingearbeitet. Die Primer dazu gehen auf die Arbeiten von Hum u. Mitarb. (1997) zurück. Dabei wird mit den Primern MG3F und MG4R ein 764-bp-Amplikon für beide Subspezies von C. fetus amplifiziert. Die Differenzierung beider Subspezies erfolgt mit dem Primerpaar VenSF und VenSR, wobei nur bei C. fetus ssp. venerealis ein 142-bp-Amplikon erhalten wird. Die Typstämme der beiden Subspezies dienen als Positivkontrollen, unspezifische Reaktionen wurden nicht beobachtet. Wir halten auch weiterhin die traditionelle phänotypische Charakterisierung der C. fetus-Subspezies für unverzichtbar, sehen aber in der PCR eine wertvolle Methode zur Ergänzung und Bestätigung dieser Befunde.


Arbeitsschwerpunkte

  • Optimierung der PCR zur Identifizierung und Differenzierung von C. fetus ssp. venerealis und C. fetus ssp. fetus
  • Validierung von Tests zur phänotypischen Charakterisierung der C.-fetus-Subspezies
  • Bovine Genital Campylobacteriosis. In: Manual of Diagnostic Tests and Vaccines for terrestrial animals,  edition 2010, Volume 2, p. 661-670, OIE
    Vibrionenseuche der Rinder. In: Amtliche Methodensammlung zur Labordiagnostik von anzeigepflichtigen Tierseuchen, aktualisierte Fassung, Stand: Juli 2010, S. 423-432, Hrsg.: FLIwww.fli.bund.de
  • Hum, S., Quinn, K., Brunner, J., On, S.L.W. (1997): Evaluation of a PCR assay for identification and differentiation of Campylobacter fetus subspecies. Aust. Vet. J. 75, 827-831.
  • Müller, W., Hotzel, H., Schulze, F. (2003): Identifizierung und Differenzierung der Campylobacter-fetus-Subspezies mittels PCR. Dtsch. tierärztl. Wschr. 110, 55-59.
  • F. Schulze, A. Bagon, W. Müller, H. Hotzel (2006): Identification of Campylobacter fetus subspecies by phenotypic differentiation and PCR. J. Clin. Microbiol. 44, 2019-2024, 2006

Stand vom 15.11. 2010