Internationale Tierseuchen, Disease Intelligence und Entwicklungszusammenarbeit
Internationale Tierseuchen
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit stellt die Arbeitsgruppe eine breite Expertise für die Entwicklung und Implementierung innovativer und konzeptioneller Ansätze in der Tierseuchenbekämpfung und Labordiagnostik bereit. Der thematische Schwerpunkt liegt auf der Prävention, Überwachung und Bekämpfung international anzeigepflichtiger Tierseuchen (Transboundary Animal Diseases, TADs). Dabei verfolgen wir einen interdisziplinären Ansatz zur Entwicklung bedarfsgerechter Surveillanceprogramme, diagnostischer Verfahren, Bekämpfungsstrategien, Biosicherheitskonzepte und Risikoanalysen, der durch begleitende Forschungsarbeiten unterstützt wird. Die konzeptionelle Herangehensweise umfasst die Beratung zu gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, die Berücksichtigung relevanter sozioökonomischer Faktoren sowie die Förderung der regionalen und internationalen Vernetzung von Veterinärbehörden, insbesondere mit Nachbarstaaten und regionalen Staatengemeinschaften der Partnerländer.
Die Forschungsaktivitäten konzentrieren sich insbesondere auf Fragestellungen der Implementierungsforschung, die sich evidenzbasiert mit der wirksamen und nachhaltigen Umsetzung von Interventionen unter den jeweiligen lokalen Rahmenbedingungen befasst.
Disease Intelligence
Der Themenbereich Disease-Intelligence umfasst die systematische Beobachtung, Analyse und Bewertung des internationalen Tierseuchen- und Zoonosegeschehens mit dem Ziel, Risiken frühzeitig zu erkennen und Entscheidungsgrundlagen für Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen bereitzustellen. Im Fokus stehen dabei die Entwicklung und Anwendung von Frühwarnsystemen sowie die kontinuierliche Bewertung globaler epidemiologischer Entwicklungen, um potenzielle Gefährdungen für Deutschland und internationale Partner frühzeitig identifizieren zu können.
Hierzu werden Tierseuchen und Zoonosegeschehen sowie deren Bekämpfungsansätze weltweit beobachtet und hinsichtlich ihrer Relevanz für die Tier- und öffentliche Gesundheit bewertet. Teile dieser Arbeit werden in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut und dem Auswärtigen Amt durchgeführt.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Risikobewertung der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI). Die Arbeitsgruppe koordiniert die regelmäßige Erstellung der nationalen Risikoeinschätzung für Deutschland und integriert dabei Informationen aus internationalen Seuchengeschehen, Wildvogelmonitoring, Handels- und Bewegungsdaten sowie weiteren epidemiologischen Informationsquellen. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag zur frühzeitigen Erkennung von Risikoveränderungen und zur Anpassung von Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen geleistet.
Die Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die Weiterentwicklung innovativer Ansätze der Surveillance und Disease-Intelligence, insbesondere für Populationen, die durch klassische Überwachungssysteme nur unzureichend erfasst werden. Hierzu zählen Tiere in Kleinst- und Hobbyhaltungen, extensive Haltungssysteme sowie Wildtierpopulationen. Ziel ist die Verbesserung der Früherkennung von Tierseuchen und Zoonosen durch die Integration neuer Datenquellen, risikobasierter Überwachungsansätze und innovativer epidemiologischer Methoden.
Entwicklungszusammenarbeit
Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt in der Entwicklungszusammenarbeit. Da die Nutztierhaltung in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eine zentrale Rolle für Ernährungssicherung, Einkommen und wirtschaftliche Stabilität ländlicher Haushalte spielt, kommt der Tiergesundheit und leistungsfähigen Veterinärdiensten eine fundamentale Bedeutung zu. Tiergesundheit entscheidet mit darüber, ob Haushalte den Weg aus der Armut beschreiten können und sich Gesellschaften nachhaltig entwickeln. Die Arbeitsgruppe unterstützt internationale Organisationen, nationale Behörden und Entwicklungsakteure bei der fachlichen Beratung zur Stärkung von Veterinärdiensten sowie bei der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluierung von Entwicklungsprojekten.
Darüber hinaus engagiert sich die Arbeitsgruppe für die Förderung von One-Health-Ansätzen. Die koordinierte Zusammenarbeit von Veterinärbehörden, Public-Health-Institutionen und weiteren relevanten Akteuren ist eine wesentliche Voraussetzung für die Prävention und Kontrolle von Infektionskrankheiten an der Schnittstelle zwischen Menschen, Tier und Umwelt. Die Arbeitsgruppe unterstützt Partnerländer und internationale Institutionen bei der Entwicklung, Implementierung und Verankerung von One-Health-Konzepten auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene und trägt damit zur nachhaltigen Verbesserung der Tier- und Humanmedizin sowie der globalen Gesundheitssicherheit bei.

