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Historie

Standort Tübingen (bis 31.12.2011)

Die Errichtung der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) in Tübingen wurde 1952 beschlossen, nachdem die ehemalige Reichsforschungsanstalt auf der Insel Riems nach der Teilung Deutschlands der Bundesrepublik nicht mehr zur Verfügung stand. Aktueller Anlass für den Beschluss war der ungewöhnlich heftige MKS-Seuchenzug in den Jahren 1950/52, der der landwirtschaftlichen Tierhaltung schwere Verluste zugefügt hatte. Erich Traub, der von der Insel Riems kam und zu jener Zeit gerade in den USA arbeitete, wurde mit dem Aufbau und der Leitung der Forschungsanstalt beauftragt, deren Aufgaben nicht auf die MKS-Forschung beschränkt, sondern vorausschauend auf andere virusbedingte Tierkrankheiten ausgedehnt wurden. Dass die Wahl des Standortes auf Tübingen fiel, lag nicht zuletzt daran, dass dort bereits das Max-Planck-Institut für Virusforschung ansässig war.

Im Oktober 1953 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Prof. Traub richtete sich ein kleines Labor in angemieteten Räumen in einer Bäckerei in Tübingen-Lustnau ein, wo er mit wenigen Mitarbeitern seine Forschungstätigkeit aufnahm und gleichzeitig den Aufbau der Anstalt leitete. Zunächst wurden das Gebäude für die Kleintierzucht und die Stallungen errichtet, die nach ihrer Fertigstellung als Laboratorien genutzt wurden. So konnten bereits im Frühjahr 1955 die experimentellen Arbeiten und, nach Schaffung der technischen Voraussetzungen, 1956 die Arbeiten mit dem MKS-Virus aufgenommen werden. Das Laborgebäude mit Verwaltungstrakt wurde 1959 fertiggestellt.

In den ersten Jahren wurden überwiegend praxisorientierte Fragestellungen aus der Diagnostik und Epidemiologie bearbeitet. Als Nachfolger von Erich Traub übernahm 1959 kommissarisch Anton Mayr, 1963 kommissarisch zunächst Gerhard Eißner und schließlich als Präsident Karl Richard Störiko die Leitung der Anstalt. 1967 wurde Manfred Mussgay, der als erster die infektiöse Nukleinsäure des -Virus isolieren konnte und der in Venezuela über Arboviren geforscht hatte, Präsident der BFAV. Günther Wittmann entwickelte eine in Spanien erfolgreich erprobte DEAE-Dextranvakzine gegen die MKS, welche im Gegensatz zu den üblichen Aluminiumhydroxid-Vakzinen auch für Schweine geeignet war. Karl Strohmaier lieferte wesentliche Beiträge zur Erforschung des Aufbaus des MKS-Virus und der für die Immunantwort verantwortlichen Strukturen. Arbeiten zur Epidemiologie und Diagnostik der enzootischen Rinderleukose, insbesondere von Otto C. Straub und Manfred Mussgay, legten wichtige Grundlagen für die Bekämpfung dieser Tierseuche unter Einsatz serologischer Methoden. 1976 wurde der neue Verwaltungstrakt bezogen.

Nach dem Tod von Manfred Mussgay leitete von 1982 bis 1991 Günther Wittmann die Bundesforschungsanstalt. Mit einem durch die Arbeitsgruppe von Lothar Schneider entwickelten Tollwut-Lebendimpfstoff konnte die Fuchstollwut in Deutschland weitgehend getilgt werden. Der von Reinhard Ahl etablierte Plaquereduktionstest ermöglichte es, die Chargenprüfung bei den in Deutschland bis 1991 eingesetzten MKS-Impfstämmen serologisch, d.h. ohne die Tiere belastende Testinfektion durchzuführen.

Von 1991 bis 1993 wurde die BFAV kommissarisch von Heinz-Jürgen Thiel und von 1993 bis 1995 von Volker Moennig geleitet. Ihm folgte 1995 Thomas C. Mettenleiter auf dem Riems als Präsident der Bundesforschungsanstalt. 1997 wurde dann die Insel Riems Hauptsitz der Bundesforschungsanstalt. Zum 31.12.2011 wurde der Standort Tübingen im Rahmen des Forschungskonzeptes des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) geschlossen. Das zuletzt dort arbeitende Institut für Immunologie setzt seine Arbeit am Hauptstandort Insel Riems fort.

Institut am Standort Tübingen:

Institut für Immunologie