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Tierseuchengeschehen

Blauzungenkrankheit (BT)

Informationen zum aktuellen Tierseuchengeschehen finden Sie in der jeweils letzten Ausgabe des monatlich erscheinenden Radar Bulletin, tagesaktuelle Fallzahlen im Tierseuchennachrichtensystem TSIS.

Nachdem sich das Blauzungenvirus vom Serotyp 3 (BTV-3) im Jahr 2024 explosionsartig im Bundesgebiet ausgebreitet und bei empfänglichen Tieren schwere klinische Symptome sowie zahlreiche Todesfälle verursacht hatte, hat sich die Situation im Jahr 2025 infolge der natürlichen Durchseuchung und umfangreicher Impfkampagnen deutlich beruhigt. Im Gnitzenjahr 2025/26, das noch bis Ende April 2026 gewertet wird, werden zwar weiterhin einzelne BTV-3-Ausbrüche festgestellt, ihre Anzahl ist im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum jedoch deutlich reduziert. Die aktuellen Karten zum BTV-Geschehen in Deutschland unterstreichen diese Entwicklung (siehe rechts). Dabei ist zu berücksichtigen, dass aus Kapazitätsgründen und aus ökonomischen Erwägungen eine Serotypisierung nicht erforderlich war, solange ausschließlich BTV-3 in Deutschland nachgewiesen wurde. Die in der Dreier-Karte rechts aufgeführten BTV-Nachweise unbekannten Serotyps sind daher ebenfalls als BTV-3-Nachweise zu werten, auch wenn bei den betroffenen Tieren keine zusätzliche bestätigende BTV-3-PCR durchgeführt wurde.

Die Dreier-Karte (Mitte) zeigt jedoch auch, dass seit Oktober 2025 in Deutschland wieder Nachweise des Blauzungenvirus vom Serotyp 8 (BTV-8) vorliegen. Dabei ist zu beachten, dass derzeit zwei unterschiedliche Stämme von BTV-8 in Deutschland zirkulieren. In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wurde der „alte“ BTV-8-Stamm (BTV8-FRA2015) nachgewiesen. Dieser Stamm ist seit 2015 in Frankreich aktiv, wurde in den Jahren 2018 bis 2021 bereits bei einer sehr begrenzten Anzahl von Tieren in Südwestdeutschland detektiert und ist nun offenbar erneut aus Frankreich nach Deutschland eingetragen worden. Dieser BTV-8-Stamm verursacht keine oder nur geringe klinische Symptome.

Darüber hinaus zirkuliert ein „neuer“, genetisch differierender BTV-8-Stamm (BTV8-FRA2023), der sich ausgehend von Südfrankreich über die Schweiz, Italien und Österreich bis nach Süddeutschland ausgebreitet hat. Aktuell wurde dieser „neue“ BTV-8-Stamm vom Nationalen Referenzlabor für Blauzungenkrankheit (NRL-BT) in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und im Saarland bestätigt. Einige der in Deutschland festgestellten Ausbrüche mit BTV8-FRA2023 gingen mit typischen klinischen Symptomen der Blauzungenkrankheit einher. Kolleginnen und Kollegen aus Österreich berichten, dass dieser „neue“ BTV-8-Stamm dort teilweise stärkere klinische Verläufe verursacht hat als BTV-3. Es ist daher davon auszugehen, dass der „neue“ BTV8-FRA2023-Stamm bei empfänglichen Tieren, insbesondere bei Schafen und Rindern, deutliche klinische Symptome hervorrufen kann.

Auf Grundlage der Erfahrungen mit den beiden derzeit in Europa zirkulierenden BTV-8-Stämmen ist anzunehmen, dass sich insbesondere der „neue“ BTV8-FRA2023-Stamm weiter nach Norden ausbreiten wird. Wie schnell und in welchem Ausmaß diese Ausbreitung im Sommer und Herbst 2026 erfolgen wird, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Fest steht jedoch, dass eine Gefährdung der empfänglichen Wiederkäuerpopulation durch BTV8-FRA2023 aktuell nicht ausgeschlossen werden kann.

Hinsichtlich der Bekämpfung und der Einrichtung von BTV-8-Restriktionszonen besteht kein Unterschied zwischen den beiden Serotyp-8-Stämmen. Die Wirksamkeit der zugelassenen BTV-8-Impfstoffe verschiedener Hersteller ist gegen beide Stämme gegeben. Da inaktivierte BTV-Impfstoffe grundsätzlich nur geringe Nebenwirkungen verursachen, wird die Impfung gegen BTV-8 vom NRL-BT grundsätzlich empfohlen. Der Aufbau einer belastbaren Immunität im Rahmen der Grundimmunisierung sollte möglichst vor Beginn der sommerlichen Vektoraktivität abgeschlossen sein, da ab diesem Zeitpunkt mit einer erhöhten Übertragungswahrscheinlichkeit zu rechnen ist. Eine gleichzeitige Impfung gegen BTV-3 ist möglich.

Näheres zur Blauzungenkrankheit steht in den entsprechenden FLI-Informationen zur Verfügung (Download rechts auf dieser Seite).

Aktuelle Informationen zum BT-Ausbruchsgeschehen für das laufende Jahr in Deutschland vermitteln die Tabelle und die Karte auf dieser Seite. Weitere Informationen zur Situation in den Niederlanden finden sie auf der Seite der Niederländischen Behörde für Lebensmittel- und Verbraucherproduktsicherheit (in niederländischer Sprache) und für Belgien auf der Sciensano-Website (in niederländischer Sprache).

Ausbruchszahlen 2026

Ausbruchszahlen der letzten Jahre

Meldungen

Risikoeinschätzung, 15.05.2025

In Nachbarländern von Deutschland wurden in den letzten Monaten Infektionen mit dem Virus der Enzootischen Hämorrhagie des Serotyp 8 (EHDV-8), sowie mit dem Virus der Blauzungenkrankheit der Serotypen 4, 8 und 12 (BTV-4, BTV-8 und BTV-12) gemeldet. In der vorliegenden Einschätzung der aktuellen epidemiologischen Situation wird das Risiko der Übertragung von EHDV-8, BTV-4, BTV-8 nach Deutschland durch Windverdriftungen von Gnitzen in Kombination mit legalem Handel in den Monaten Dezember bis März als vernachlässigbar, für die Monate April und November als mäßig und für die Monate Mai bis Oktober als hoch eingeschätzt. Eine analoge Einschätzung gilt für BTV-12, sofern erneute Ausbrüche dieses Serotyps beobachtet werden. Eine Impfung wird als einzige Möglichkeit empfohlen, um empfängliche Tiere zu schützen. 
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Zum Download

Qualitative Risikoeinschätzung zur Verschleppung der Epizootischen Hämorrhagie und der Blauzungenkrankheit, Stand 15.05.2025 (PDF)

Link zur Kurznachricht auf dieser Website

Aktuelle Informationen zur Blauzungenkrankheit

Ausbruch der Blauzungenkrankheit vom Serotyp 3 in den Niederlanden – Fälle auch in Deutschland möglich

Niederländische Tierärzte beobachteten  am 3. und 4. September bei Schafen in den Provinzen Nordholland und Utrecht klinische Symptome in fünf Betrieben, die auf die Blauzungenkrankheit (BTV) hindeuteten. Das niederländische Referenzlabor (WBVR) bestätigte am 5.9.2023 Blauzungenkrankheit in vier der fünf Betriebe und ermittelte den Serotyp 3 (BTV-3). Mittlerweile sind über 40 Betriebe betroffen, überwiegend Schafhaltungen. Die niederländische Regierung leitete Maßnahmen wie die Sperrung der betroffenen Betriebe und Ausbruchsuntersuchungen ein.

Aufgrund der Dynamik des Geschehens mit einer großen Zahl an Neuausbrüchen besteht die Gefahr, dass auch deutsche Betriebe betroffen sein können. Deshalb sollten insbesondere kleine Wiederkäuer und Rinder mit BTV-typischen klinischen Symptomen auf das Vorliegen einer entsprechenden Infektion untersucht werden.

Bei einigen der betroffenen Schafe wurden hohes Fieber (bis 42°C), geschwollene Zungen, Fressunlust, Speicheln und lethargisch bis moribundes Verhalten beobachtet. Im weiteren Verlauf wurden auch Läsionen im Maul und an der Zunge berichtet sowie Todesfälle.

Die gesamten Niederlande haben den Status „frei von BTV“ ausgesetzt. Das heißt, Rinder, Schafe und Ziegen aus den Niederlanden dürfen nur noch nach den Maßnahmen in der Delegierten Verordnung (EU) 2020/688 der Kommission innerhalb der EU verbracht werden.

Weitere Informationen zu Maßnahmen in den Niederlanden (in englischer Sprache)

Seit dem Jahr 2014 hat sich die Blauzungenkrankheit, Serotyp 4 (BTV-4), von Griechenland über den Balkan Richtung Nordwesten ausgebreitet. Ende 2015 und Anfang 2016 wurden Fälle in Österreich festgestellt. Im Jahr 2016 waren bisher im Wesentlichen Italien, Slowenien, Kroatien und Serbien betroffen. Die Fälle im Norden Italiens, bei denen hauptsächlich Rinder und Schafe, aber auch einzelne Ziegen- und Muflonbetriebe betroffen sind, liegen zum Teil weniger als 150 km entfernt von der deutschen Grenze. Im Juni 2017 wurden sechs BTV-4-Ausbrüche und zwei BTV-1-Ausbrüche in Italien gemeldet.

In Frankreich zirkuliert die Blauzungenkrankheit, Serotyp 8 (BTV-8), seit August 2015. Im Herbst 2016 stieg die Anzahl gemeldeter BT-Fälle wieder stark an und es kam zu einer Ausdehnung des betroffenen Gebiets. BTV-8 ist nach wie vor in Frankreich in weniger als 150 km Entfernung von der deutschen Grenze nachweisbar und stellt somit weiterhin eine Bedrohung für Deutschland dar. 

Obwohl derzeit nur wenige Ausbrüche gemeldet werden, muss aufgrund der Erfahrung in den vergangenen Jahren damit gerechnet werden, dass die Anzahl in den kommenden Wochen und Monaten wieder ansteigen wird. Wie sich die Zahlen in Frankreich und Italien letztlich weiterentwickeln, werden die nächsten Monate zeigen (vor allem August, September und Oktober).

Tabelle 1: Ausbrüche Blauzungenkrankheit im Jahr 2017
(Quelle: ADNS, Stand: 28.06.2017–09:15 Uhr)
MonatFrankreichItalienPortugalKroatienSpanienGesamt
125236131293
218629   215
314123   164
45613   69
5199   28
638   11
Gesamt657118131780

Auswirkungen auf Deutschland

Auch wenn die aktuellen Epidemien von BTV-8 und BTV-4 mit wenig ausgeprägten Krankheitszeichen einhergehen, ist die klinische Überwachung für die Früherkennung wichtig. Folgende Symptome sind möglich: Fieber, Entzündung der Schleimhäute, Geschwüre und Nekrosen in der Haut und der Maulschleimhaut, an Lippen, Nase, Zitzen und Euter, Ödeme im Kopfbereich und an den Gliedmaßen sowie Atembeschwerden. Stellen Tierhalter solche Symptome fest, sollten sie umgehend ihren Bestandstierarzt kontaktieren.

Da sich die Blauzungenkrankheit weiter in Richtung Deutschland ausgebreitet hat und die Tierseuche insbesondere bei Schafen und Ziegen zu schweren Erkrankungen und Todesfällen führen kann, sollten Tierhalter empfängliche Tiere gegen BTV-8 und BTV-4 impfen lassen. In einigen Bundesländern werden Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit finanziell unterstützt.

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin hat am 02.02.2016 eine Impfempfehlung (PDF, nicht barrierefrei) herausgegeben.

Januar 2017

Seit dem Jahr 2014 hat sich die Blauzungenkrankheit, Serotyp 4 (BTV-4), von Griechenland über den Balkan Richtung Nordwesten ausgebreitet. Ende 2015 und Anfang 2016 wurden Fälle in Österreich festgestellt. Im Jahr 2016 waren bisher im Wesentlichen Italien, Slowenien, Kroatien und Serbien betroffen. Die Fälle im Norden Italiens, bei denen hauptsächlich Rinder und Schafe, aber auch einzelne Ziegen- und Muflonbetriebe betroffen sind, liegen zum Teil weniger als 150 km entfernt von der deutschen Grenze.

In Frankreich zirkuliert die Blauzungenkrankheit, Serotyp 8 (BTV-8), seit August 2015. Im Herbst 2016 stieg die Anzahl gemeldeter BT-Fälle wieder stark an und es kam zu einer Ausdehnung des betroffenen Gebiets. Inzwischen liegen einige der gemeldeten Fälle weniger als 150 km von der deutschen Grenze entfernt (siehe Karte).

Auswirkungen auf Deutschland

Auch wenn die aktuellen Epidemien von BTV-8 und BTV-4 mit wenig ausgeprägten Krankheitszeichen einhergehen, ist die klinische Überwachung für die Früherkennung wichtig. Folgende Symptome sind möglich: Fieber, Entzündung der Schleimhäute, Geschwüre und Nekrosen in der Haut und der Maulschleimhaut, an Lippen, Nase, Zitzen und Euter, Ödeme im Kopfbereich und an den Gliedmaßen sowie Atembeschwerden. Stellen Tierhalter solche Symptome fest, sollten sie umgehend ihren Bestandstierarzt kontaktieren.

Da sich die Blauzungenkrankheit weiter in Richtung Deutschland ausgebreitet hat und die Tierseuche insbesondere bei Schafen und Ziegen zu schweren Erkrankungen und Todesfällen führen kann, sollten Tierhalter empfängliche Tiere gegen BTV-8 und BTV-4 impfen lassen. In einigen Bundesländern werden Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit finanziell unterstützt.

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin hat am 02.02.2016 eine Impfempfehlung (PDF, nicht barrierefrei) herausgegeben.

Karte: Übersicht der Fälle von Blauzungenkrankheit in Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien 

und Serbien vom 01.05.2016 bis 10.01.2017

Ab 01. Mai 2016 in ADNS gemeldete BT-Ausbrüche. Angezeigt sind die Gebiete, welche innerhalb eines Radius von 150 km zu den Ausbrüchen liegen.

Risikobewertung, November 2015

Die aktuelle qualitative Risikobewertung zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit bezieht neben Entwicklungen bei der Ausbreitung vom Serotyp 4 die Ausbrüche durch Serotyp 8 in Frankreich ein. Außerdem gab das FLI Empfehlungen zur verstärkten Überwachung der Blauzungenkrankheit heraus. 

Das in Südosteuropa kursierende Virus der Blauzungenkrankheit (BT) vom Serotyp 4 (BTV 4) breitet sich mit im Vergleich zum Vorjahr verminderter Geschwindigkeit weiter in Richtung Norden aus. Seit September 2014 berichtet auch Ungarn über BT-Ausbrüche mit dem gleichen Virusstamm, der auch in Griechenland und Rumänien kursiert. Im November 2015 wurde erstmals seit sieben Jahren BT in Österreich festgestellt. Das Virus gehört ebenfalls dem Serotyp 4 an. Auch aus Slowenien wurde ein BT-Ausbruch in unmittelbarer Grenznähe zu Österreich gemeldet. Die 150 km-Restriktionszonen reichen derzeit (30.11.2015) 80 km an die deutsche Grenze heran (vor einem Jahr betrug der Abstand noch 400 km). Darüber hinaus wurden insbesondere in Italien Infektionen mit BTV-4 festgestellt, jedoch handelt es sich nicht um den gleichen Virustyp wie auf dem Balkan.

Im September 2015 trat in der Mitte Frankreichs erstmals seit 2010 wieder BTV-8 auf und verbreitete sich über ein großes Gebiet. Bislang wurden 90 Ausbrüche gemeldet. Die Restriktionszonen reichen bis auf ca. 100 km an Deutschland heran (30.11.2015).

Ein Eintragsrisiko für BTV-4 und BTV-8 nach Deutschland besteht

  • durch die Ausbreitung lebender, infizierter Vektoren mit dem Wind,
  • durch die Einschleppung infizierter Vektoren durch den Handel und Verkehr und
  • durch den Handel mit empfänglichen Tieren, Sperma, Embryos und Eizellen

Auf Grund der schnellen Ausbreitung des Virus in Südosteuropa wird das Eintragsrisiko für die Ausbreitung durch lebende Vektoren in der kommenden Gnitzen-Saison als wahrscheinlich bis hoch eingeschätzt. Das Eintragsrisiko über den Handel wird aufgrund der innergemeinschaftlichen Verbringung von Tieren aus betroffenen Gebieten in der Hochrisikoperiode als gering bis mäßig eingeschätzt.

Bei der Expositionsabschätzung wird das Risiko für den Eintrag durch belebte Vektoren als hoch eingeschätzt, für alle anderen Einschleppungsmöglichkeiten als gering.

Die Konsequenzabschätzung ergibt ein hohes Risiko, da sowohl BTV-4 als auch BTV-8 auf eine ungeschützte Population treffen und zu schweren wirtschaftlichen Schäden und beträchtlichem Tierleid führen können.

Bei den Handlungsoptionen besteht neben den gesetzlich vorgegebenen Maßnahmen die Möglichkeit der Impfung. Ein Impfprogramm kann zu erheblichen Kosten führen und die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit nur dann verhindern, wenn eine hohe Impfabdeckung erreicht wird.

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Zum Download

Ungekürzte qualitative Risikobewertung zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit, Serotyp 4, Stand November 2015 (PDF, nicht barrierefrei)