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Historie und Entwicklung

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Standort Insel Riems

Foto: Hauptgebäude Insel Riems, 2014 (© FLI)
Hauptgebäude, Insel Riems, 2014 © Friedrich-Loeffler-Institut

Das Institut auf der Insel Riems wurde von Friedrich Loeffler 1910 im Auftrag des preußischen Kultusministeriums zur Erforschung der Maul- und Klauenseuche gegründet. Es war das erste Institut, das explizit zur Forschung an einer virusbedingten Krankheit bei Tieren eingerichtet wurde und gehört somit weltweit zu den ältesten Virusforschungsinstituten.

Friedrich Loeffler (1852-1915) beschrieb im Jahre 1898 zusammen mit Paul Frosch (1860-1928) den Erreger der Maul- und Klauenseuche (MKS) als filtrierbares, aber korpuskuläres, vermehrungsfähiges Agens.

Mit dieser Entdeckung gilt Loeffler als einer der Begründer der Virologie. Im Laufe seiner umfangreichen tierexperimentellen Arbeiten kam es im Greifswalder Umland durch Virusverschleppungen immer wieder zu MKS-Ausbrüchen. Daher wurde er von staatlicher Seite ultimativ aufgefordert, eine neue Heimstatt für seine Arbeiten zu suchen. Friedrich Loeffler entschloss sich, auf der Insel Riems seine Untersuchungen fortzuführen. Nach der Errichtung erster Labor- und Stallgebäude teilte er am 10. Oktober 1910 dem preußischen Landwirtschaftsminister mit, er habe mit seinen Arbeiten auf der Insel Riems begonnen. Im Jahre 1913 wurde Friedrich Loeffler zum Direktor des Robert-Koch-Instituts in Berlin berufen, was zu einer Reduzierung der Forschungstätigkeiten auf dem Riems führte, die schließlich im Verlauf des 1. Weltkrieges vollständig zum Erliegen kamen.

Nach dem Ende des Krieges wurde der Tierarzt Otto Waldmann im Jahre 1919 beauftragt, die von Loeffler begonnenen Arbeiten auf dem Riems fortzusetzen, wobei im Mittelpunkt der Aktivitäten weiterhin die MKS und die Produktion eines Hochimmunserums standen.

So wurde Mitte der 1920er Jahre von Karl Trautwein der MKS-Serotyp C entdeckt. Die folgenden Jahre bis zum zweiten Weltkrieg standen im Zeichen der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die MKS. Im Jahre 1938 stellten Otto Waldmann und Karl Köbe eine durch Formalin und Hitze inaktivierte, an Aluminiumhydroxid adsorbierte MKS-Vakzine vor, die im Seuchenzug der Jahre 1938 - 1940 zum Einsatz kam. In den 1930er Jahren forschte das Institut außer zu MKS über Klassische Schweinepest, Klassische und atypische Geflügelpest sowie weiteren Viruserkrankungen bei Nutztieren.

Im Jahre 1943 wurden die "Staatlichen Forschungsanstalten Insel Riems" aus hoheitlichen Gründen in den Besitz des Reiches überführt und ab diesem Zeitpunkt zur "Reichsforschungsanstalt Insel Riems". Im Jahre 1945 gingen Ausrüstungen und Einrichtungen des Riems als Reparationsleistung größtenteils verloren.

Unter dem Eindruck der in Europa wütenden MKS-Seuchenzüge wurde die Arbeit auf der Insel Riems jedoch schon 1946 wieder aufgenommen. Im Jahre 1948 übernahm Heinz Röhrer die Leitung der "Forschungsanstalt für Tierseuchen Insel Riems".

1950 führte die DDR als erstes Land weltweit die Impfpflicht für Rinder gegen MKS ein. Nach ihrer Gründung übernahm 1951 die  „Deutsche Akademie der Landwirtschaftswissenschaften“ die Verantwortung für das Institut. Anlässlich des 100. Geburtstags von Friedrich Loeffler am 24. Juni 1952 erhielt das Institut den Namen „Friedrich-Loeffler-Institut“. In den Folgejahren wuchs das Institut stetig, 1960 arbeiteten 405 Beschäftigte auf der Insel Riems, davon 30 Wissenschaftler. 1960 feierte das Friedrich-Loeffler-Institut sein fünfzigjähriges Jubiläum; eine internationale Tagung mit Wissenschaftlern auch aus dem westlichen Ausland bildete den Höhepunkt der Feierlichkeiten. Das Institut produzierte im großen Maßstab Impfstoffe, 1966 wurde eine moderne Produktionsanlage für MKS-Gewebekulturvakzine fertig gestellt.

Von 1973 bis 1985 gehörte das FLI auf der Insel Riems zur Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR. Die Forschung wurde stärker praxisorientiert ausgerichtet, die Grundlagenforschung zurückgefahren. Das Spektrum der bearbeiteten Viruserkrankungen wuchs, zahlreiche Impfstoffe wurden entwickelt und produziert. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Entwicklung von diagnostischen Verfahren und deren Einführung in die Praxis. Außerdem richtete das Institut 1974 eine Zellbank für den Bereich des „Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) sowie ein diagnostisches Zentrum ein. Bei der Erarbeitung staatlicher Konzepte zur Tierseuchenbekämpfung wirkte das Institut aktiv mit. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Arbeitsschwerpunkt so immer mehr in Richtung Produktion, zum Nachteil der Forschung. Zusammen mit den politischen Begleitumständen geriet das Institut so in eine isolierte Stellung und war international kaum aktiv. Die Forschung geriet ab 1985 noch weiter in den Hintergrund, als das Institut als VEB “Friedrich-Loeffler-Institut“ dem VEB Kombinat Veterinärimpfstoffe Dessau/Tornau zugeordnet wurde. Kurz vor der Wiedervereinigung arbeiteten rund 800 Beschäftigte am Institut.

1990 wurde das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems zurück in die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften eingegliedert. Mit den neu eingerichteten Wissenschaftsbereichen Diagnostik, angewandte Virologie und Molekulabiologie/Zelltechnik wurde die Grundlagenforschung verstärkt. Die Impfstoffproduktion wurde komplett ausgegliedert und privatisiert, die Mitarbeiterzahl halbierte sich auf rund 400. Der Wissenschaftsrat evaluierte das Institut 1991 und empfahl dessen Erhaltung. Langfristig sollten die Standorte Riems, Tübingen und Wusterhausen auf der Insel Riems als Hauptstandort konzentriert werden.

Am 1. Januar 1992 wurde das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems als Teil der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere neu gegründet.

Nachdem am 26. November 2000 zum ersten Mal BSE bei einem Rind in Deutschland festgestellt worden war, wurde innerhalb kürzester Zeit das Institut für Neue und Neuartige Tierseuchenerreger am FLI aufgebaut; es nahm bereits zum 1. Januar 2001 seine Arbeit auf.

Am 26. Juni 2004 wurde die „Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere“ umbenannt in „Friedrich-Loeffler-Institut“ (FLI) mit der Zusatzbezeichnung „Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit“. Unter diesem Namen bündelt das FLI seither wissenschaftliche Kompetenz im Bereich Infektionskrankheiten bei landwirtschaftlichen Nutztieren und Zoonosen. Es bestand 2004 aus 8 Fachinstituten an 4 Standorten. 

Mit der Neuordnung der Ressortforschung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) zum 1. Januar 2008 wuchs das FLI abermals. Hinzu kamen die ehemaligen FAL-Institute für Tierernährung in Braunschweig, für Tierschutz und Tierhaltung in Celle sowie für Nutztiergenetik in Mariensee. Somit deckt das FLI innerhalb der Ressortforschung die gesamte Bandbreite zum Thema Tiergesundheit ab.

Im Rahmen des Entwicklungskonzeptes des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft schloss das FLI zum Jahresende 2011 den Standort Tübingen und zum Jahresende 2013 den Standort Wusterhausen. Die beiden Fachinstitute wurden zum Hauptsitz auf die Insel Riems verlagert. Hier arbeiten damit die Institute für molekulare Virologie und Zellbiologie, Infektionsmedizin, Virusdiagnostik, Neue und Neuartige Tierseuchenerreger, Immunologie und Epidemiologie. Damit besteht das FLI nunmehr aus 11 Fachinstituten an 5 Standorten.