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Hochsicherheitslabore

Hochsicherheitslabore am FLI

Sicherheitsstufe S4 Tier

Als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit arbeitet das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) an hochansteckenden Tierseuchen wie Maul- und Klauenseuche und Schweinepest sowie durch blutsaugende Insekten übertragene Tierseuchen wie der Blauzungenkrankheit. Für den Menschen stellen diese Infektionserreger kein Gesundheitsrisiko dar, sehr wohl aber für die empfänglichen Tierarten. Daher finden Diagnostik und Forschungsarbeiten in der höchsten Sicherheitsstufe 4 (S4) Tier statt, um ein Entweichen der Erreger zu verhindern.

Hierzu verfügt das FLI über einen großen Labor- (287 m2) und Tierstallkomplex (630 m2), der unter permanentem Unterdruck steht, mit doppelten Hochleistungsschwebstofffiltern für die Zu- und Abluft ausgerüstet ist und technisch ständig überwacht wird. Abwässer werden im Gebäude auf über 100°C erhitzt und erst danach in die institutseigene Kläranlage geleitet. Integriert ist zudem eine Tierkörperbeseitigungsanlage.

Da bei den hier bearbeiteten Tierseuchenerregern kein Infektionsrisiko für den Menschen besteht, reichen normale Labor- und Stallkleidung für das Personal aus. Vor dem Betreten des Bereichs wird in entsprechenden Sicherheitsschleusen die Straßenkleidung abgelegt und die Schutzkleidung angezogen. Wenn mit infizierten Tieren gearbeitet wird, muss beim Wechsel von einem Tierstall in den nächsten geduscht und die Kleidung nochmals gewechselt werden, um auch im S4 Tier Bereich selbst keine Erreger zu verschleppen. Außerdem besteht eine Duschpflicht vor dem Verlassen des Sicherheitsbereiches. Getragene Kleidung aus dem Bereich und alle anderen festen Abfälle werden mit heißem Dampf sterilisiert. Oberstes Gebot im Bereich S4 Tier ist der Schutz der Umwelt vor den Infektionserregern, mit denen hier geforscht wird.

Sicherheitsstufe S4 Zoonosen

Zoonosen, zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionserreger, bilden einen weiteren Forschungsschwerpunkt des FLI. Gegen einige dieser Erreger stehen weder Impfstoffe noch Therapien zur Verfügung. Mit solchen für den Menschen sehr gefährlichen Viren darf nur in speziellen Sicherheitslaboratorien der höchsten Sicherheitsstufe 4 (S4) geforscht werden. Zum Schutz der Umwelt vor den hier bearbeiteten Erregern gelten die gleichen Maßnahmen wie im S4 Tier Sicherheitsbereich. Hinzu kommen besondere Maßnahmen für den Personenschutz vor möglichen Infektionen, insbesondere das Anlegen eines Vollschutzanzugs.

Das FLI verfügt über einen S4-Zoonosen-Komplex, der 350 m² groß ist. Das Labor mit Materialschleuse, Autoklavenraum und weiteren Nutzflächen nimmt davon etwa 180 m² ein. Alleinstellungsmerkmal in Europa haben zwei Tierräume von je 66 m², die Forschungsarbeiten zu Ebola-, Krim-Kongo Hämorrhagisches Fieber- und anderen S4-Viren bei Großtieren wie Schweinen und Rindern ermöglichen. Weltweit sind solche Arbeiten mit Großtieren bisher nur im kanadischen Winnipeg und im australischen Geelong möglich.

Arbeiten in der Sicherheitsstufe S4 Zoonosen

Ein solches S4 Hochsicherheitslabor für zoonotische Erreger funktioniert nur unter besonderen Bedingungen der Gebäude- und Sicherheitstechnik. Der gesamte S4-Bereich befindet sich in einem „box in box“- System. Das bedeutet, er ist umgeben von einem Bereich der Sicherheitsstufe 3. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter, das technische Personal und die Tierpfleger müssen diesen unter den Vorgaben der geltenden Sicherheits- und Hygienemaßnahmen erst durchlaufen, ehe sie den S4-Bereich betreten können. Sie arbeiten in einem Vollschutzanzug, in den über einen Schlauch mit Sicherheitsventil gefilterte Luft strömt. Der Anzug wird stets ein wenig über den Raumdruck hinaus aufgeblasen, so dass selbst bei einer Undichtigkeit keine Erreger in ihn eindringen können. Das gesamte Gebäude steht ständig unter Unterdruck, sodass die Luft einströmt und nur über Hochleistungsschwebstofffilter nach außen gelangt. Durch die doppelt angelegten essentiellen technischen Elemente ist die spezielle Gebäudetechnik gegen einen Ausfall gesichert. Diese wird rund um die Uhr überwacht.

Die Zu- und Abluft wird doppelt gefiltert. Alle Abwässer laufen in den unter dem Labor befindlichen Sammeltanks zusammen und werden direkt im Gebäude sterilisiert, bevor sie zur institutseigenen Kläranlage gelangen. Auch die Tierkörperbeseitigungsanlage befindet sich im S4-Bereich.

Bei jeder Arbeit, ob im Stall oder im Labor, ist der Mitarbeiter mit einem „Backup“ außerhalb des S4-Bereichs in Funkkontakt. Dieser „Backup“ ist ebenfalls für Arbeiten im S4-Bereich geschult und hält sich in den angrenzenden Gebäuden auf, um den Beschäftigten im S4-Bereich von außen zu assistieren und im Notfall helfen zu können. Beim Verlassen des S4-Bereiches wird der Vollschutzanzug in einer Chemiedusche gründlich desinfiziert. Erst danach dürfen die Mitarbeiter den Anzug öffnen und ausziehen.