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Tierseuchengeschehen

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Usutu-Virus

Vorkommen in Europa

Das Usutu-Virus wurde in Europa erstmals Anfang des Jahrtausends diagnostiziert (Österreich 2001, Ungarn 2005, Schweiz 2006, Spanien 2006 und Italien 2009). In Deutschland traten USUV-bedingte Todesfälle bei Vögeln erstmals im Jahre 2011 auf (Becker et al., 2012). Im Rahmen dieser Untersuchungen konnten am FLI bei 30 Wildvögeln detektiert werden. Betroffen waren vorrangig Amseln, aber auch Bartkäuze und Eisvögel.

Herkunft und Bedeutung

Das Usutu-Virus hat seinen Ursprung in Afrika (benannt nach einem Fluss in Swaziland) und wird von Stechmücken übertragen. Hauptwirte für das Virus sind Wildvögel, die in der Regel nicht erkranken. Es sind daneben aber auch sehr empfängliche Vogelspezies bekannt, z.B. Schwarzvögel, die sich sehr leicht infizieren. Klinisch zeigen diese infizierten Vögel häufig Apathien und Störungen des zentralen Nervensystems wie taumeln oder Kopf verdrehen. Es kann zum Massenvogelsterben führen.

Prinzipiell wird dem Usutu-Virus ein zoonotisches Potenzial zugeschrieben. Humane Infektionen traten aber bisher sehr selten auf, bekannt sind ein Fall aus Afrika (1982 in Dakar) und zwei Fälle aus Italien bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem (2009).

Am 24.07.12 bestätigte das Nationale Referenzlabor für West-Nil-Virus am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) den Nachweis des Usutu-Virus (USUV) bei zwei verendeten Amseln aus Rheinland-Pfalz. Die Einsendung erfolgte über das Landesuntersuchungsamt Koblenz. Vor wenigen Tagen hatte bereits das Bernhard-Nocht-Institut (BNI) zusammen mit der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) den Nachweis des Virus bei einigen Amseln gemeldet. BNI und FLI arbeiten bei der Überwachung dieser Usutu-Virus-Fälle eng zusammen. Unabhängig davon führen beide Partner seit Jahren Monitoring-Untersuchungen auf zoonotische Erreger (z.B. West-Nil-Virus) durch: bei Wildvögeln (Seidowski et al., 2010; Ziegler et al., 2010) und bei Stechmücken (Jöst et. al. 2011).

Die staatlichen Veterinäruntersuchungsämter werden gebeten, Proben von eingesandten verendeten Vögeln umgehend an das Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger des FLI (Adresse s. unten) zu senden. Auf Anfrage assistiert das FLI den Untersuchungsämtern beim Aufbau der USUV-Diagnostik (quantitative real-time RT-PCR).

Bei einer in Süddeutschland (Südhessen) tot aufgefundenen Amsel wurde Usutu-Virus (USUV) nachgewiesen. Der Nachweis erfolgte am 13.09.2011 im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg. Am 14.09.2011 wurde am Friedrich-Loeffler-Institut USUV auch in vier 4 toten Amseln aus dem Raum Mannheim entdeckt. Ob diese Infektion mit der beobachteten erhöhten Mortalität von Amseln in der Region in Verbindung steht, wird untersucht. Der Nachweis von USUV in Amseln kommt nicht völlig überraschend. Im Rahmen des Projekts „Vorkommen von Stechmücken in Deutschland“ von Mitarbeitern der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS)

und des BNI in Hamburg konnte bereits im letzten Jahr das tropische USUV bei Stechmücken aus Baden-Württemberg erstmals in Deutschland isoliert werden (Jöst et al. 2011).

USUV hat seinen Ursprung in Afrika (benannt nach einem Fluss in Swaziland). Hauptwirte für das Virus sind Wildvögel, die in der Regel nicht erkranken. Es sind aber auch sehr empfängliche Wildvogelarten bekannt, z. B. Schwarzvögel wie Amseln. Klinisch zeigen diese Tiere häufig Apathien und Störungen des zentralen Nervensystems wie taumelnde Bewegungen oder unnatürliches Verdrehen des Kopfes. Es kann bei Vögeln auch zu beträchtlichen Todesfällen kommen. Als Überträger traten in Europa bisher Stechmücken (Culicidae) auf.

USUV ist eng verwandt mit dem West-Nil-Virus und dem Japan-Enzephalitis-Virus in der Familie der Flaviviren.

Außerhalb Afrikas konnte USUV erstmals 2001 in Österreich nachgewiesen werden, wo es in den Jahren 2001 bis 2003 im Osten des Landes zu einem Vogelsterben, vorrangig bei Amseln, kam. Seit 2003 ging die Zahl infizierter Wildvögel deutlich zurück, derzeit treten nur noch sporadisch Fälle auf. 

Antikörper gegen das Virus waren in Wildvögeln noch in den Jahren 2005-2007 nachzuweisen. Weiterhin wurde USUV in Ungarn, der Schweiz, Italien und Spanien gefunden, wobei in den letzten beiden Ländern keine erhöhten Mortalitäten bei Wildvögeln beobachtet wurden, aber auch Spatzen, Meisen und Eulen infiziert waren.

Antikörper gegen USUV wurden bei Wildvögeln aus einer Vielzahl von europäischen Ländern nachgewiesen, z.B. Ungarn, Italien, Großbritannien, Polen und Tschechien, was auf ein verbreitetes Vorkommen des Erregers in Zentraleuropa hinweist.

Auch in Deutschland konnten vom Robert-Koch-Institut in den Jahren 2002 bis 2005 niedrige Antikörpertiter gegen USUV bei 3 von 3.300 untersuchten Wildvögeln nachgewiesen werden, die jedoch ausnahmslos Zugvögel waren (Linke et al. 2007). Eine weitere Wildvogeluntersuchung (> 3.000 Proben) wird seit 2007 am FLI durchgeführt, wobei die Untersuchung auf West-Nil-Virus im Vordergrund steht. Zur Abklärung von Kreuzreaktionen wird auch auf USUV-spezifische Antikörper untersucht, bisher mit negativem Ergebnis.

Obwohl dem USUV ein zoonotisches Potenzial zugeschrieben wird, traten humane Infektionen bisher nur sehr selten auf. Bekannt sind ein Fall aus Afrika (1982 in Dakar) sowie zwei Fälle aus Italien (2009) bei immunsupprimierten älteren Patienten. Bei den letztgenannten Patienten ging die Infektion mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen einher; prinzipiell kann auch eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) auftreten. Derzeit gibt es in Deutschland keine Hinweise auf eine Übertragung des Virus auf den Menschen (weitere Informationen zur Humanmedizin siehe Informationen des Bernhard-Nocht-Instituts unter www.BNITM.de). Aus hygienischen Gründen sollten tote Vögel generell nicht mit bloßen Händen angefasst werden.

Die weitere Entwicklung bzw. etwaige Verbreitung des USUV bei Wildvögeln in Deutschland wird beobachtet. Aus den bisherigen Untersuchungen in Zentraleuropa zeichnet sich eine Ausbreitungstendenz von ungefähr 50 Kilometern pro Jahr ab. Aufschluss über die Verbreitung des Virus geben gezielte Überwachungsprogramme von Wildvögeln (Totfunde) und Stechmücken in den stark betroffenen Gebieten. 

Diese Untersuchungen sind auch im Hinblick auf einen möglichen Eintrag des West-Nil-Virus, das in Österreich nach dem USUV erstmals auftrat, wichtig. West-Nil-Virus wird ebenfalls durch Stechmücken übertragen und kommt bei Wildvögeln und Pferden vor. Der Mensch kann ebenfalls infiziert werden. Humaninfektionen traten in letzter Zeit u. a. in Nordgriechenland, Italien, Rumänien und Russland auf.