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Historie

Standort Jena

In Jena wird seit über 50 Jahren veterinärmedizinische Forschung zu bakteriell bedingten Tierkrankheiten betrieben. Am 01.07.1954 wurde das Institut für bakterielle Tierseuchenforschung (ITSF) der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften von Victor Goerttler gegründet. Der erste Direktor war gleichzeitig Angehöriger des Lehrkörpers und Dekan der Landwirtschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena und außerdem Direktor des Veterinäruntersuchungs- und Tiergesundheitsamtes des Landes Thüringen.

Da eine intensive Forschung zu den damals aktuellen Infektionskrankheiten der Nutztiere nur mit einer Erweiterung der räumlichen und personellen Kapazitäten möglich war, setzte sich Goerttler dafür ein, dass schon Ende der 50er Jahre mit der Projektierung und dem Bau neuer Gebäude für das ITSF in Jena-Zwätzen begonnen wurde. Dadurch konnten die Mitarbeiter in den Jahren 1961/62 die Neubauten am heutigen Standort mit räumlich großzügig gestalteten und nach dem damaligen Stand gut ausgerüsteten Laboratorien sowie modernen Versuchstierstallungen beziehen.

Die strukturelle Gliederung der Einrichtung wurde wiederholt den steigenden Anforderungen angepasst, die sowohl aus dem wissenschaftlichen Fortschritt als auch aus dem Bedarf der veterinärmedizinischen Praxis resultierten. Neben Abteilungen bzw. Fachgebieten für die Grundlagenfächer mit ihrem jeweiligen methodischen Rüstzeug wie Bakteriologie und Serologie, Virologie, Mykologie, Pathologie und Histologie (einschließlich Elektronenmikroskopie), Pathophysiologie, Immunologie und Biochemie entstanden auch Abteilungen wie Radiochemie, Molekularbiologie/Gentechnik, Zell- und Gewebezucht sowie Biostatistik, die zunächst auf die Einführung spezieller Untersuchungsverfahren ausgerichtet waren. Auch besondere Forschungsschwerpunkte gaben wiederholt Anlass zur Bildung spezieller Abteilungen wie Tuberkulose, Fortpflanzungsstörungen, Mykoplasmeninfektionen, Lebensmittel- und Milchhygiene. Wichtig war stets der Grundgedanke, über eine möglichst große methodische Vielfalt zu verfügen, um die Lösung der zu bearbeitenden Probleme von den verschiedensten Seiten her angehen zu können. Eine Stärke des ITSF bestand stets darin, die Vertreter der verschiedenen Disziplinen (Tierärzte, Chemiker, Physiker, Biologen, Landwirte) bei der Bearbeitung der Forschungsaufgaben zusammenzuführen, d. h. komplexe Lösungen vorzulegen.

Die politische Wende und die deutsche Wiedervereinigung stellten auch für das Jenaer Institut einen entscheidenden Einschnitt dar. Wie alle wissenschaftlichen Einrichtungen der ehemaligen DDR wurde auch das ITSF Jena einer Evaluierung durch den Wissenschaftsrat unterzogen (29. Mai 1991). Dieser empfahl "das ITSF in Form einer Bundesforschungsanstalt für bakterielle Tierseuchen und Zoonosen im Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) weiterzuführen." Schließlich wurde die Einrichtung ab 1. Januar 1992 als Fachbereich "Bakterielle Tierseuchen und Bekämpfung von Zoonosen" in das Institut für Veterinärmedizin (Robert von Ostertag-Institut) des Bundesgesundheitsamtes übernommen. Nach dessen Auflösung ging der gesamte Personalbestand in das neu gegründete Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) über (Zeitraum vom 01.07.1994 bis 31.10.2002). Als Instituts- bzw. Fachbereichsleiter fungierten in dieser Zeit Horst Meyer (1990-1997) und Dietrich Schimmel (1997-2002).

Auch nach der im November 2002 erfolgten Eingliederung als Standort Jena in die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) konnten wesentliche Teile der angestammten Arbeitsfelder fortgeführt werden. Daneben wurden in verstärktem Maße an aktuellen Problemen orientierte Forschungsprojekte in Angriff genommen und neue Labormethoden eingearbeitet. Zu den schwerpunktmäßig bearbeiteten Erkrankungen gehören mittlerweile eine Reihe wichtiger Zoonosen, wie z.B. die Salmonellose, Campylobacteriose, Tuberkulose sowie Chlamydiosen.

Die zentrale Aufgabenstellung für die heutigen Jenaer Institute ("Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen" und "Institut für molekulare Pathogenese") besteht weiterhin in der Erforschung der Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik und Epidemiologie bakteriell bedingter Infektionskrankheiten der Tiere. Zur Lösung dieser Aufgaben werden moderne Labormethoden nach wie vor mit einer soliden tierexperimentellen Basis kombiniert. Die erzielten Ergebnisse dienen der Bekämpfung dieser Erkrankungen mit dem Ziel der Schaffung gesunder Tierbestände als Basis für die Erzeugung hochwertiger und gesundheitlich unbedenklicher Lebensmittel.