Während es im letzten Jahr ein intensives Infektionsgeschehen in vielen neu betroffenen Landkreisen vor allem von Niedersachsen und Schleswig-Holstein gab, bestätigte das Nationale Referenzlabor für West-Nil-Virus-Infektionen (WNV) am FLI in dieser Saison nur 4 Fälle bei Pferden und 21 bei Wild- und Zoovögeln.
Die Mehrzahl der Infektionen trat einmal mehr in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen auf, welche bereits in den letzten Jahren betroffen waren. Auffällig sind allerdings drei Pferdefälle im Südwesten des Landes, die alle eng nebeneinander auftraten (Landkreis Bergstraße und Landkreis Rhein-Neckar-Kreis). Hier sollte die Aufmerksamkeit gegenüber WNV erhöht werden, zumal in den angrenzenden Landkreisen bereits in den Vorjahren Fälle auftraten.
Ursache für die deutlich geringeren Fallzahlen im Jahr 2025 könnten die ungünstigen klimatischen Bedingungen für Mücken in diesem Jahr gewesen sein, denn durch ein kaltes und trockenes Frühjahr gab es deutlich weniger Stechmücken als im Vorjahr. Weiterhin hat sicherlich die Infektionswelle im letzten Jahr dazu geführt, dass viele Pferdebesitzer der Impfempfehlung der StIKo Vet gefolgt sind und derzeit viele Pferde einen aktuellen Impfschutz gegenüber WNV aufweisen. Hinzu kommen etliche WNV geimpfte Zoo- und falknerisch gehaltene Vögel in Deutschland. Weiterhin wurde am Nationalen Referenzlabor dokumentiert, dass alle bisher in Deutschland an WNV verstorbenen Pferde nicht gegen WNV geimpft waren.
Das Virus hat sich in etlichen Regionen in Deutschland etabliert und zirkuliert endemisch in der Vogel- und Stechmückenpopulation. Mit einem jährlichen Auftreten ist zu rechnen, ebenso mit einer sehr wahrscheinlichen weiteren Ausbreitung über die bislang betroffenen Gebiete hinaus. Wenn günstige klimatische Bedingungen in der Stechmückensaison vorherrschen, z.B. ein feuchtwarmes Frühjahr gefolgt von einem langanhaltenden heißen Sommer, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem sprunghaften Ansteigen der Fallzahlen zu rechnen.
Informationen zu aktuellen Infektionszahlen bei Menschen stellt das hierfür zuständige Robert Koch-Institut zur Verfügung.

