In der ökologischen Rinder- und Schweinehaltung ist der Zugang zu Auslauf oder Weide gesetzlich vorgeschrieben. Zunehmend gibt es jedoch Haltungssysteme mit fließenden Übergängen zwischen dem Innen- und Außenbereich. Das stellt eine Herausforderung bei der Anwendung der EU-Öko-Verordnung dar, insbesondere bei der Unterscheidung, welche Flächen zum Innen- bzw. Außenbereich zählen. Trotz ausreichender Gesamtfläche kann die Mindestfläche für den Innenbereich formal unterschritten werden – ohne dass dies mit Nachteilen für die Tiere verbunden ist. Vielmehr bieten offene Systeme häufig Vorteile, wie z. B. mehr Bewegungsfreiheit oder den Zugang zu klimatischen Außenreizen.
Ziel des Projekts war es, Haltungskriterien zu entwickeln, die unabhängig von der Flächenaufteilung Auskunft über die Tiergerechtheit eines Haltungssystem geben. Die Kriterien wurden gemeinsam mit Expert:innen aus Praxis, Beratung und Forschung abgestimmt und an Beispielen innovativer Haltungssysteme überprüft.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei offenen Haltungssystemen die Unterscheidung zwischen Stall- und Auslaufflächen nur begrenzt aussagekräftig ist. Stattdessen sollte anhand der entwickelten Kriterien beurteilt werden, ob das Haltungssystem den Anforderungen an ein hohes Tierwohl entspricht. Der Abschlussbericht wurde der Expertengruppe für technische Beratung zur ökologischen Produktion (EGTOP) der Europäischen Kommission für die weitere Begutachtung vorgelegt.
Projektbeteiligte:
Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) e.V. (Gesamtkoordination)
Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Schweiz
Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Fachgebiet Nutztierethologie und Tierhaltung
Das Institut für Tierschutz und Tierhaltung hat zusammen mit dem FiBL Schweiz den wissenschaftlichen Hintergrund zu den Schweinen erarbeitet.
