Sequenzanalysen von PCR-positiven Proben im Nordwesten und Osten Deutschlands zeigen, dass neben der Variante „Shamonda-Virus/DE/2026“, die seit Juli vor allem in Süddeutschland, der Schweiz und Frankreich auftrat, eine weitere mit dem Shamonda-Virus verwandte Variante vorkommt. Die Rinderproben stammen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen. Dieses Virus gehört immer noch zur Spezies Orthobunyavirus Schmallenbergense der Simbu-Serogruppe und ist mit dem ursprünglich in Afrika und Japan beschriebenen Shamonda-Virus verwandt, zeigt aber eindeutige Unterschiede zur zuerst in der Schweiz, Frankreich und Süddeutschland nachgewiesenen Variante Shamonda-Virus/DE/2026. Zur einfacheren Unterscheidung werden sie nun als Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) für die erste Variante und Shamonda-Virus Europa 2 (SHAV-EU2) für die zweite Variante bezeichnet.
Es handelt sich daher bei dem derzeitigen Seuchengeschehen um zwei unabhängige Ereignisse, die sich in manchen Bundesländern bereits überschneiden. Zur besseren Einordnung der zweiten Virusvariante laufen derzeit genauere phylogenetische Analysen. Erste Untersuchungen zeigen aber, dass sich alle drei Genomsegmente des Shamonda-Virus Europa 2 vom SHAV-EU1 unterscheiden. Ob ein ausreichender Kreuzschutz zwischen den beiden Varianten nach Infektion vorliegt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
Unbekannt ist derzeit noch das genaue Wirtsspektrum der neuen Variante. Alle positiven Proben für SHAV-EU2 stammen bisher von Rindern. Infektionen mit Shamonda-Virus Europe 1 wurden bislang bei Rind, Pferd, Schaf und Ziege nachgewiesen.
In Deutschland zirkulieren jetzt mit dem Schmallenberg-Virus und den beiden Shamonda-Virus-verwandten Varianten drei Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass diese Viren gegenseitig Genomsegmente austauschen und sich entsprechend verändern (reassortieren).
