Im Gegensatz zu den deutlichen WNV-Infektionsgeschehen in den südeuropäischen Ländern, wie z.B. Italien, Griechenland und Spanien oder auch vermehrten Infektionsfällen in Belgien oder den Niederlanden, registrieren wir in Deutschland bisher eine geringe Anzahl von nachgewiesenen WNV-Infektionen.
In dieser Saison sind bis zum 3. September 2026 nur zwei Fälle bei Pferden und fünf Fälle bei Wild- und Zoovögeln vom Nationalen Referenzlabor für West-Nil-Virus-Infektionen (WNV) am FLI bestätigt worden. Dabei konzentrieren sich drei Nachweise auf den Rhein-Neckar-Kreis, die anderen Nachweise kommen aus Berlin, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, welche als bekannte Endemiegebiete jährlich wiederkehrende Infektionen verzeichnen.
Weiterhin wurden bisher zwei humane Fälle in Deutschland als lokal erworbene West-Nil-Fieber-Infektionen vom Robert Koch-Institut (RKI) bestätigt. Ein Fall in Rheinland-Pfalz, wo es in den Vorjahren bereits vereinzelte WNV-Nachweise in den Tieren gab, und ein Fall aus Berlin.
Wie in den Vorjahren ist derzeit mit weiteren Erkrankungsfällen bei Vogel und Pferd sowie einer weiteren regionalen Ausbreitung dieser Infektion innerhalb Deutschlands zu rechnen. Deshalb sollte eine mögliche Infektion mit West-Nil-Virus als wichtige Differentialdiagnose bei einer neurologischen Symptomatik von Vogel und Pferd abgeklärt werden.
Allerdings scheint für die derzeitige Häufung von klinisch neurologisch erkrankten Pferden nicht nur eine Infektion mit WNV in Frage zu kommen, sondern eventuell auch eine Infektion mit dem neu eingeschleppten europäischen Shamonda-Virus (SHAV). Aktuelle Untersuchungen des FLI weisen auf zwei unabhängige Eintragsereignissen nach Deutschland hin, die sich in manchen Bundesländern bereits überschneiden.
Noch sind hierbei viele Fragen offen. In Zusammenarbeit mit den Landesuntersuchungsämtern, den Veterinärbehörden, den Privatlaboren und einzelnen Pferdekliniken arbeitet das FLI institutsübergreifend intensiv daran, die Auswirkungen des neuen Virus und die Krankheitsentstehung beim Pferd besser zu verstehen.
Weitere Informationen zum Shamonda-Virus stellt das FLI auf der entsprechenden Themenseite zur Verfügung.

