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FLI unterstützt ersten erfolgreichen Feldversuch zur oralen Tollwutimpfung von Hunden in Namibia

Kurznachrichten

Namibia gehört zu den vielen Ländern Afrikas, in denen die Tollwut endemisch ist. Vor allem die durch Hunde vermittelte Tollwut stellt eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar, wobei hier besonders die Nördlichen Kommunalgebiete (NCAs) betroffen sind. Das Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) unterstützt bereits seit mehreren Jahren verschiedene Projekte zur Tollwutbekämpfung in Namibia. Mehr als 1.000 verwendete Impfköder sowie die Größe des Gebietes machen diesen Feldversuch zur oralen Immunisierung von Hunden gegen Tollwut einzigartig in Afrika. „Wir sind hier an der vordersten Front der Feldforschung, um dieses neuartige Impfkonzept in Afrika und anderswo zur Anwendung zu bringen. Wir sind zuversichtlich, dass diese Methode einen wichtigen Beitrag zu dem globalen Ziel, die durch Hunde vermittelte menschliche Tollwut bis 2030 zu eliminieren, leisten kann“, sagt der Laborleiter des OIE und Nationalen Referenzlabors für Tollwut des FLI, Dr. Thomas Müller.

„Wir können nicht zulassen, dass vor allem Kinder an dieser schrecklichen, aber vermeidbaren Krankheit sterben“, betont Dr. Albertina Shilongo, Chefveterinärin des staatlichen Veterinärwesens in Namibia (Department of Veterinary Services (DVS). Aus diesem Grund führt Namibia seit 2016 mit Unterstützung der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) ein nationales Programm zur Bekämpfung der Hundetollwut durch, das von der deutschen Regierung finanziert wird. „Wir sind besonders stolz darauf, dass unser Tollwutbekämpfungsprogramm internationale Standards erfüllt und von der OIE offiziell anerkannt wurde. Bislang haben weltweit nur zwei Länder diese Anerkennung erhalten“, ergänzt Dr. Albertina Shilongo. Nach einer erfolgreichen Pilotphase in der Oshana-Region wurden die Massenimpfungen von Hunden auf alle nördlichen Kommunalgebiete ausgeweitet. „Es gab viele Herausforderungen, unter anderem das riesige Gebiet, das abgedeckt werden musste, sowie die hohe Anzahl frei umherlaufender Hunde, die bisher nicht dazu führten, dass eine Herdenimmunität erreicht wurde, die die Ausbreitung des Virus stoppen würde“, sagt Dr. Kenneth Shoombe, Chefveterinär für die nordwestlichen Kommunalgebiete in Oshakati.

Eine neue Möglichkeit könnte die orale Tollwutimpfung (oral rabies vaccination - ORV) bieten, eine Methode, die in Europa und Nordamerika erfolgreich zur Bekämpfung der Wildtiertollwut eingesetzt wird und deren Einsatz bei Hunden derzeit sowohl von der WHO als auch vom OIE favorisiert und befürwortet wird. Zuvor durchgeführte Immunogenitätsstudien an namibischen Hunden zeigten, dass diese mit einem einzigen Impfköder erfolgreich immunisiert werden können. Aufgrund dieser ermutigenden Ergebnisse führte das namibische staatliche Veterinärwesen DVS in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler-Institut eine Pilotstudie in der Oshana und Omusati Region im Norden Namibias durch, die aus Mitteln des Globalen Gesundheitsschutzprogramms des Bundesministeriums für Gesundheit (GHHP) finanziert wurde. Dabei wurden die Veterinäre und Veterinärhelfer aus Oshana und Omusati von Studenten der Fakultät für Landwirtschaft und natürliche Ressourcen der Universität von Namibia, Campus Ogongo, unterstützt.

„Das Ergebnis dieses Feldversuchs ist überwältigend. Ich war überrascht, wie einfach es ist, Hunde zu impfen, die mit einer Spritze kaum geimpft werden können. Auch die Akzeptanz dieser Methode durch die Bevölkerung war sehr gut“, so Dr. Nehemia Hedimbi, staatlicher Veterinär und Koordinator des namibischen Tollwutbekämpfungsprogramms. Erste Auswertungen von Daten, die mit Hilfe einer mobilen Planungs- und Datenerfassungs-App der gemeinnützigen Organisation ‚Mission Rabies‘ erhoben wurden, belegen eine sehr hohe Akzeptanz der Köder bei Hunden von mehr als 90 Prozent. Aufgrund dieser positiven Ergebnisse plant das staatliche Veterinärwesen in Namibia, die orale Immunisierung als komplementäre Maßnahme in das nationale Tollwutbekämpfungsprogramm zu integrieren.

Hundeimpfung in Namibia

Impfen von Hunden in einem Dorfzentrum im Norden Namibias (© C. Freuling, FLI)