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Freiheit für Sauen während Abferkelung und Säugezeit ist die Zukunft

Kurznachrichten

Der Austausch von Wissen und Erfahrungen ist eine Schlüsselkomponente für den Erfolg bei der Umsetzung der bevorstehenden Veränderungen in der Sauenhaltung. Dies wurde auf dem internationalen Workshop "Free-dom in Farrowing and Lactation 2021" (FFL21) hervorgehoben, auf dem 50 Forschende und Beteiligte aus der Industrie aus über 20 Ländern in Europa, Asien, Australien und Nordamerika übereinstimmend feststellten, dass säugende Sauen in der Stallhaltung in Zukunft nicht im Käfig stehen werden.

Die drei wichtigsten Botschaften, die man von Freedom in Farrowing and Lactation 2021 mitnehmen konnte, waren:

  1. Freiheit beim Abferkeln und in der Säugezeit hat sich von "Wann“ zu "Wie" entwickelt
  2. Das „Wie“ macht die Komplexität deutlich
  3. Der Austausch von Wissen und Erfahrung ist eine Win-Win-Situation

Auf dem Workshop wurden u. a. folgende Schlüsselthemen angesprochen:

  1. SEGES-Direktor Christian Fink Hansen betonte: "Wir haben uns von der Frage, ob laktierende Sauen lose aufgestallt werden sollen, zu der Frage, ob und wann dies möglich ist, weiterentwickelt. Es ist klar, dass dänische Sauen in der Säugezeit frei - und in Ställen - gehalten werden, und dass die Lösungen auf Forschungsergebnissen beruhen müssen, um robuste Systeme zu gewährleisten".

    In allen Ländern und bei allen Wissenschaftlern wächst das Verstehen dafür, wie komplex der Übergang zu frei säugenden Sauen ist. Dies muss von den politischen Entscheidungsträgern im künftigen Gesetzgebungsverfahren der Initiative "End the Cage Age" berücksichtigt werden, um wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zu gewährleisten.
     
  2. Professor an der Vetmeduni Vienna, Johannes Baumgartner, skizzierte die komplexe Gesamtherausforderung, Systeme so zu verändern, dass sie allen Anforderungen der Nachhaltigkeit (ökologisch, gesellschaftlich und finanziell) gerecht werden. Zu den spezifischen Herausforderungen gehören sowohl die Gestaltung der Ställe als auch das Management: Wie ermöglichen wir den Nestbau, nutzen wir die temporäre Fixierung oder nicht, wie viel Platz sollte den Sauen zur Verfügung stehen, wie optimieren wir die Arbeitsbedingungen und wie gehen wir mit großen Wurfgrößen um.“
     
    "Um diese Fragen zu lösen, ist eine gut koordinierte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern erforderlich. Diese muss Umwelt-, Technik-, Sozial- und Tierwissenschaften sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschenden, Schweineerzeugern und landwirtschaftlichen Ausrüstern umfassen", so das Fazit von Prof. Sandra Edwards am Ende des Workshops.
     
  3. Der Vorsitzende des schwedischen Schweineverbands, Mattias Espert, betonte: "Erfolgreiche Fortschritte erfordern den Austausch von Wissen auf allen Ebenen. Ich und meine schwedischen Kollegen, die wir bereits freie Abferkelung betreiben, können unsere Erfahrungen aus der Umstellung weitergeben."
    Er erwähnte, dass die schwedischen Marktchancen in der Vergangenheit falsch eingeschätzt wurden und die Schweineproduktion in Schweden von 14.000 Erzeugern im Jahr 1990 auf 1.000 Erzeuger im Jahr 2021 zurückging.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass der Wissensaustausch sowohl wissenschaftliche Ergebnisse als auch praktische Erfahrungen zu freiem Abferkeln und freier Säugezeit, Motivation des Personals zur Umstellung auf Systeme mit höherem Tierschutzniveau, Ferkelsterblichkeit in verschiedenen Buchtensystemen, Bereitstellung von Nestbaumaterialien, Emissionen aus den Buchten und vieles mehr umfassen muss. Das Wissen um die Vor- und Nachteile bestehender Systeme wird anderen helfen, sich für ein neues System zu entscheiden.

Programm des Workshops

Am ersten Tag des Workshops repräsentierten Schweden, Dänemark und Deutschland drei Situationen: In Schweden ist freies Abferkeln seit vielen Jahren gesetzlich vorgeschrieben, in Dänemark ist freies Abferkeln eine freiwillige Strategie, die von der Schweineindustrie beschlossen wurde, und in Deutschland wurden kürzlich Bewegungsbuchten im Abferkelbereich als gesetzliche Anforderung beschlossen. Drei verschiedene Perspektiven aus jedem Land veranschaulichten die vielen Punkte, die bei der Umstellung auf freie Abferkelung oder Säugezeit zu berücksichtigen sind. Außerdem gab es einen kurzen Überblick über die Situation in Ländern rund um die Welt.

Am 2. Tag wurde eine breite Palette aktueller Forschungsaktivitäten vorgestellt, die zu sehr guten Diskussionen führten. Die gemeinsamen Schlussfolgerungen waren:

  • Die Umsetzung der praktischen Erkenntnisse in Schulungsmaterial ist wichtig, und die Entwicklung von "Checklisten" für den Erfolg ist ein Ziel. Es gibt jedoch kein Patentrezept oder einen Ansatz, der für alle geeignet ist. Bei einigen Elementen werden wahrscheinlich lokale Erwägungen eine Rolle spielen, vor allem wenn die Länder sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen aufweisen.
  • Alle waren sich einig, dass das Management genauso wichtig oder sogar wichtiger ist als das gewählte System, wobei die Bedeutung einer positiven Einstellung und der Ausbildung/Erfahrung der Mitarbeiter hervorgehoben wurde.

 Während viele technische Lücken noch weiter erforscht werden müssen, gibt es auch wichtige Punkte, die von der Gesellschaft angesprochen werden müssen:

  • Die Akzeptanz verschiedener Formen der vorübergehenden Fixierung könnte in naher Zukunft erforderlich sein
  • Die freie Säugezeit benötigt mehr Platz als Kastenstände, und die freie Abferkelung mehr Platz als die freie Säugezeit, so dass neue Baugenehmigungen für größere Anlagen erforderlich sein werden.
  • Zur Kompensation der Mehrkosten sollten Subventionssysteme in Betracht gezogen werden.

Der Startschuss für die Erleichterung des Übergangs zur freier Säugezeit und freier Abferkelung ist gefallen. Eine erfolgreiche Umstellung erfordert eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Markt (Einzelhändler, Lebensmittelverarbeiter), den Verbrauchern und anderen Teilen der Gesellschaft. Nur so kann in Zukunft eine nachhaltige und zielgerichtete Lebensmittelwertschöpfungskette erreicht werden.

Workshop-Organisation und Nachbereitung

Der Workshop wurde vom Friedrich-Loeffler-Institut (Deutschland), dem Scotland's Rural College (Vereinigtes Königreich), der Vetmeduni Vienna (Österreich) und dem SEGES Danish Pig Research Centre (Dänemark) organisiert. Für weitere Informationen über den Workshop wenden Sie sich bitte an antje.schubbert@~@fli.de.

Weibliche Stallarbeiterin in Kontakt mit Saugferkel in freier Abferkelbucht.

Weibliche Stallarbeiterin in Kontakt mit Saugferkeln in freier Abferkelbucht. Für den Erfolg müssen die Sau, die Ferkel, das Personal und das Haltungssystem zusammenarbeiten. (Foto © SEGES Danish Pig Research Centre)