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Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen (IBIZ)

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Arbeitsgruppe Bakterielle Zoonosen beim Kleintier

Yersinien sind Gram negative, stäbchenförmige, fakultativ anaerob wachsende Bakterien aus der Gruppe der Enterobacteriaceae. Zum jetzigen Zeitpunkt werden 17 Spezies unterschieden, wobei Yersinia (Y.) pestis, Y. enterocolitica und Y. pseudotuberculosis eine besondere medizinische Relevanz besitzen. Von den sieben bekannten Y. enterocolitica Biovaren (1A, 1B, 2-5) sind in Europa hauptsächlich die Biovar/Serotyp Kombinationen (1B/O:8; 2/O:5,27; 2/O:9; 3/O:3; 4/O:3; 5/) für die beim Menschen vorkommende Yersinienenteritis verantwortlich; am häufigsten sind dies die den Biovaren 4 (Serotyp O:3) und 2 (Serotyp O:9) zugeordneten Bakterienstämme. Meistens infizieren sich Menschen durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln, v.a. durch den Genuss von Schweinefleisch (Hackfleisch, Rohwürste) und Rohmilch.

Die höchste jährliche Anzahl an gemeldeten Y. enterocolitica Infektionen (Neuerkrankungen) stammen aus den östlichen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, während die geringsten Fallzahlen aus Baden-Württemberg und Bayern gemeldet werden. Nach oraler Aufnahme des Erregers kommt es nach einer Inkubationszeit von vier bis sieben Tagen zu einer akuten Enteritis oder Enterokolitis. Der direkte und indirekte Nachweis von Y. enterocolitica im Zusammenhang mit einer akuten Infektion beim Menschen ist nach §7 IfSG meldepflichtig.

Wie auch beim Menschen scheinen Hundewelpen besonders anfällig für eine Y. enterocolitica Infektion zu sein. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch Durchfall, erhöhte Kotabsetzfrequenz, Blut- und Schleimbeimengungen im Kot, Tenesmen (schmerzhafter Stuhldrang), sowie Lethargie und Anorexie. Gelegentlich können Hepatitiden auftreten. Hunde scheinen sich hauptsächlich über den Verzehr von rohem Schweinefleisch zu infizieren und können den Erreger bis zu drei Wochen ausscheiden.

Y. enterocolitica (Biovar 1A, 2- 5 /Serotyp O:3, O:5, O:5,27, O:8) wird regelmäßig aus caninen Kotproben isoliert, wobei 4/O:3 am häufigsten vertreten ist. Über die Häufigkeit der Übertragung von Y. enterocolitica zwischen Mensch, Hund und Katze ist wenig bekannt, wobei identische Serotypen bei allen drei Spezies nachgewiesen wurden. Ob die Infektion durch den Tierkontakt oder durch eine gemeinsame Infektionsquelle hervorgerufen wurde, ist nicht bekannt. Auf Grund des fäkalen-oralen Übertragungswegs ist eine zoonotische Übertragung jedoch leicht möglich, wobei Kinder, Senioren, Immunsupprimierte, und Rekonvaleszente, wie auch für andere Infektionserreger, besonders empfänglich sind.

In Deutschland werden Y. pseudotuberculosis Infektionen überwiegend durch Stämme der Serogruppe O:1, seltener durch Stämme der Gruppen O:2 und O:3 hervorgerufen, wobei alle Y. pseudotuberculosis Stämme als pathogen zu bewerten sind.

Menschen infizieren sich hauptsächlich durch kontaminierte Lebensmittel, v. a. durch den Genuss von Schweinefleisch. Das klinische Bild kann sich als Darmentzündung, scheinbare Blinddarmentzündung oder mit der Symptomatik eines Morbus Crohn darstellen. Y. pseudotuberculosis kann regelmäßig im Kot von klinisch unauffälligen Hunden nachgewiesen werden; Erkrankungen sind eher selten.

Gehäuft tritt die Erkrankung in den Wintermonaten auf. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch schleimigen bis blutigen Durchfall. Gelegentlich können Erbrechen und Fieber auftreten. Bei Abszessbildung können je nach Organlokalisation entsprechende Symptome auftreten. Klinisch apparente Y. pseudotuberculosis Infektionen bei Hunden sind selten - Ausscheider jedoch nicht. Bei Katzen ist das klinische Bild durch Anorexie, Erbrechen und allgemeine Schwäche gekennzeichnet und kann mit einer Felinen Infektiösen Peritonitis (FIP) verwechselt werden. Häufig werden pyogranulomatöse Läsionen im Gastrointestinaltrakt, der Leber und den Lymphknoten beobachtet. Unbehandelt kann die Infektion zum Tode führen.

Aufgaben
  • Entwicklung von Empfehlungen zur Kontrolle und Diagnostika
  • Phänotypische und molekulare Charakterisierung von Yersiniae
  • Erforschung der Virulenz- und Pathomechanismen pathogener Yersinien
  • Prävalenz- und Resistenzstudien

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Forschungsprojekte

Laufzeit: 11/2011-10/2016

Antigone ANTIcipating the Global Onset of Novel Epidemics:  Identifizierung von Faktoren, die es Yersinien ermöglichen, sich unter hypoxischen/ normoxischen Bedingungen zu replizieren, und deren Einfluss auf die Wirtszelle

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