Das Projekt ÖkoGen adressiert die Charakterisierung von drei lokalen Hühnerrassen, Altsteirer (ALT), Bielefelder Kennhuhn (BIE), Ostfriesische Möwen (OFM) und Ramelsloher (RAM), und deren Kreuzungen mit Wirtschaftslinien der Mast- sowie der Legerichtung, die im assoziierten Projekt RegioHuhn etabliert werden. Speziell wird die Eignung der genetischen Vielfalt dieser alten Rassen und deren Kreuzungs-Genetiken für den ökologischen Landbau untersucht.
Insgesamt untergliedert sich das Projekt in sieben Arbeitspakete, in denen Aspekte der Infektionsabwehr und Immunkompetenz, der Knochengesundheit und dem Verhalten als wesentliches Merkmal von Tierwohl bearbeitet werden. Darüber hinaus werden Fragen einer bedarfsgerechten Fütterung, der Produktqualität und der Verbraucherakzeptanz dieser Genetiken von einem breit aufgestellten Konsortium untersucht. Mit einem direkten Bezug zum Projekt RegioHuhn soll eine Zuchtplanung für die Weiterentwicklung der etablierten Nukleusherden der drei lokalen Hühnerrassen entwickelt werden.
Das Arbeitspaket am FLI im Institut für Immunologie (AP2) umfasst zwei Fragestellungen: 1. die Ermittlung der Immunkompetenz naiver und geimpfter Tiere unter besonderer Beachtung der Altersabhängigkeit und 2. die Überprüfung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Influenzaviren. Für beide Fragestellungen werden sowohl die 3 Reinzuchten als auch 6 Kreuzungen mit Hochleistungs-Genetiken untersucht.
Mittels Durchflusszytometrie werden die Lymphozyten-Subpopulationen im Blut naiver Tiere nach dem Schlupf, in den ersten Lebenswochen und auf dem Höhepunkt der Legeleistung quantitativ und qualitativ analysiert. Nach artifizieller Stimulation wird die Reaktivität der T-Zellen und die Produktion ihrer Effektor Moleküle untersucht. Um Aussagen zur Kinetik der Immunantwort über die Lebenszeit treffen zu können, wird parallel zu allen Zeitpunkten der Antikörpertiter für NDV (nach Impfung) und die zelluläre Immunantwort gegen NDV bestimmt.
Zur Analyse der antiviralen Antwort steht das Modell-Virus-System A/Teal/Germany/Wv632/2005 (TG05-HAR65) zur Verfügung, mit dem in der Vergangenheit bei SPF Tieren ein mittleres Überleben von 70 % der infizierten Tiere beobachtet werden konnte. Es werden Tiere in zwei verschiedenen Altersgruppen untersucht: 1. sechs Wochen alte Tiere; 2. Hennen in der Legespitze. Die Tiere werden okkulonasal infiziert. Am Tag 1 nach Infektion werden naive Kontakttiere zugestallt, um die Virustransmission zu untersuchen. Am Tag 4 nach der Infektion werden Tiere getötet, um die gewebespezifische zelluläre Immunreaktion und Viruslast zu beschreiben. Die übrigen Tiere sind für das Monitoring der klinischen Symptome, der zellulären Immunreaktion der Blutzellen und des Überlebens reserviert. Readout sind im Vergleich zu einer nichtinfizierten Kontrolle die Beurteilung der Klinik, Überlebensrate, Kinetik der Virusausscheidung, Virustransmission, zelluläre Immunreaktion im Blut und in der Lunge innerhalb von 10 Tagen nach Infektion.
Das Arbeitspaket 3, das am Institut für Nutztiergenetik des FLI angesiedelt ist, zielt auf die Charakterisierung und Bewertung der Knochengesundheit der neuen Genetiken ab. Es umfasst zwei Versuchsdurchgänge: im ersten Durchgang werden Tiere der drei lokalen Rassen untersucht, während der zweite Durchgang Tiere von sechs Kreuzungen der lokalen Rassen mit Elterntieren einer Hochleistungszucht der Legerichtung einschließt. Mittels Röntgenuntersuchungen zu sechs Alterszeitpunkten werden von der 18. bis zur 72. Lebenswoche Mineraldichte, Brüche sowie Deformationen des Brustbeins untersucht. Nach tierschutzkonformer Tötung der Hennen mittels CO2 wird das Schlachtkörpergewicht individuell erfasst. Es werden vom linken und rechten Tibiotarsus sowie linken und rechten Humerus die Bruchfestigkeiten bzw. die Knochenlänge, - dicke und der Kortexanteil individuell ermittelt. Die Knochenmerkmale werden zwischen den Genetiken der lokalen Rassen sowie deren Kreuzungsnachkommen verglichen und in Bezug zu individuellen Daten der Legeleistung und Eiqualität sowie Erhebungen in Tierbonituren gestellt. Es werden der Legebeginn und die tägliche Eizahl erfasst. In der 30., 40. und 50. Lebenswoche werden die Eier zusätzlich von Gelegen drei aufeinanderfolgender Tage je Henne gewogen sowie die Schalenbruchfestigkeit, das Schalengewicht und die Schalendicke erfasst.
Insgesamt verbindet das Projekt ÖkoGen die Anforderungen des ökologischen Landbaus an die Tiere mit einem gesamtsystemischen Prüfansatz der im Projekt RegioHuhn etablierten Genetiken.
Friedrich-Loeffler-Institut
Institut für Nutztiergenetik
apl. Prof. Dr. Steffen Weigend
Mitarbeiter:innen
Dr. Christian Reimer
Nina Götzke
Institut für Immunologie
Dr. Ulrike Blohm
Mitarbeiter:innen
Luise Freier
Projektpartner:innen:
Projektleitung (Koordination)
Prof. Dr. Inga Tiemann
Hochschule Osnabrück
Fakultät Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur
Prof. Dirk Hinrichs
Universität Kassel
Fachbereich ökologische Agrarwissenschaften
Prof. Jens Tetens
Georg-August-Universität, Göttingen
Department für Nutztierwissenschaften
Apl. Prof. Reza Sharifi
Georg-August-Universität, Göttingen
Department für Nutztierwissenschaften
Prof. Daniel Mörlein
Georg-August-Universität, Göttingen
Department für Nutztierwissenschaften
Dr. Antje Risius
Georg-August-Universität, Göttingen
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
