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Institut für molekulare Virologie und Zellbiologie (IMVZ)

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OIE und Nationales Referenzlabor für Tollwut

WHO Collaborating Centre for Rabies Surveillance and Research 

Die Tollwut, eine der ältesten bekannten viralen Zoonosen, d.h. vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit, ist weltweit verbreitet. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich immer noch zehntausende von Menschen, vor allem in den Ländern Afrikas und Asiens an dieser Krankheit. Viele Opfer sind Kinder unter 15 Jahren. Daher wird sie auch oft als vernachlässigte (neglected) Zoonose bezeichnet. 

Die Erreger der Tollwut sind Einzelstrang-RNA-Viren negativer Polarität, die zum Genus Lyssavirus der Familie der Rhabdoviridae der Ordnung Mononegavirales gehören. Der Genus Lyssavirus umfasst derzeit 14 anerkannte und zwei putative Lyssavirusspezies. Das Rabies Virus (RABV) ist der Erreger der weltweit vorkommenden „klassischen Tollwut“, bei der Mesokarnivore (Hund, Fuchs, Coyote, Waschbär, Marderhund, Mangusten)  sowie in Amerika auch Fledermäuse die Hauptreservoire darstellen. Aus epidemiologischer Sicht sind bei der klassischen Tollwut die „sylvatische Tollwut“ und die „urbane Tollwut“ zu unterscheiden. Die sylvatische Tollwut umschreibt die durch Wildkarnivoren übertragene Tollwut; bei der urbanen Tollwut bilden Hunde (Canis canis) das Hauptreservoir. In beiden Fällen wird das Tollwutvirus auch auf andere Tiere und den Menschen übertragen. In Europa ist vor allem der Rotfuchs (Vulpes vulpes) für die Erhaltung und Ausbreitung der Seuche verantwortlich. 

In den vergangenen 35 Jahren wurden in Europa mit Hilfe der oralen Immunisierung der Füchse enorme Erfolge wie nie zuvor in der Geschichte der Tollwutbekämpfung erzielt. Mit Hilfe modifizierter Tollwutlebendimpfstoffe und einem einmaligen Auslageverfahren gelang es die Seuche in weiten Teilen Europas und Deutschland zu tilgen. Seit 2008 gilt Deutschland wie viele andere west- und mitteleuropäische Länder offiziell als tollwutfrei (Freiheit von klassischer Tollwut). 

Neben dem RABV sind Fledermäuse Reservoir für weitere 15 bekannte Lyssaviren in der Welt. Auch europäische Fledermäuse können an Tollwut erkranken und verenden. Überwiegend betroffen sind Breitflügel- und Isabellfledermäuse, bei denen das European bat lyssavirus 1 (EBLV-1) nachgewiesen wurde. Das Reservoir für EBLV-2 dagegen scheinen Teich- und Wasserfledermäuse zu sein. Jüngst konnte in Deutschland und Frankreich bei Fransenfledermäusen ein neues Lyssavirus, das Bokeloh bat lyssavirus (BBLV) nachgewiesen werden. Neben dem West Caucasian Bat Lyssavirus (WCBV) wurde das neuartige Lleida bat lyssavirus (LLEBV) jeweils aus einer erkrankten Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersii) im Westkaukasus und Spanien nachgewiesen. Diese Fledermausart ist in Deutschland als Durchzügler nur ein seltener Gast.

Die Aufgaben als WHO Collaborating Centre for Rabies Surveillance and Research sowie als OIE Referenzlabors für Tollwut sind mit der Designierung durch die WHO vom 01. Januar 1975 sowie der Entscheidung des OIE (1992) definiert. Die Aufgaben des nationalen Referenzlabors (NRL) für Tollwut leiten sich aus  der Tollwut-Verordnung (TW-VO) vom 11. April 2001 (BGBl. I 2001 S. 598) in Verbindung mit der Entscheidung BMELV vom 08. Juli 1997 ab.

Aufgaben als NRL für Tollwut:

  • Direkter Ansprechpartner für Bundes- und Länderbehörden zu Fragen der Tollwutbekämpfung (Orale Immunisierung der Füchse) 
  • Forschung zur Weiterentwicklung Tollwut-spezifischer Testverfahren, Pathogenese, Immunisierung und Epidemiologie
  • Beteiligung an internationalen Arbeitsgruppen und Forschungsprojekten 
  • Durchführung bestätigender Antigen- bzw. Genomnachweis
  • Bereithaltung von Virusstämmen und Referenzseren 
  • Chargenprüfung von Tollwut-Diagnostika (ELISA, Konjugate) 
  • Standardisierung der Tollwutdiagnostik
  • Durchführung nationaler und Teilnahme an internationalen Ringvergleichstests 

Aufgaben als WHO Collaborating Centre for Rabies Surveillance and Research (http://apps.who.int/whocc/Detail.aspx?cc_ref=DEU-52&) und OIE Referenzlabors für Tollwut (http://www.OIE.int/our-scientific-expertise/reference-laboratories/introduction/):

  • Durchführung und Koordination von Tollwutforschung gemäß den Empfehlungen des WHO Expert Committee. Forschungsgebiete sind die orale Immunisierung von Wildtieren und Hunden, Epidemiologie und Diagnostik der Tollwut sowie die Epidemiologie der Tollwut in Neozooen und Europäischen Fledermäusen.
  • Erhebung und Analyse tollwutspezifischer epidemiologischer Daten und Zurverfügungstellung für das Global Health Observatory der WHO bzw. Datenbanken des OIE

    • Weiterentwicklung des Rabies Bulletin Europe (www.who-rabies-bulletin.org/) als eine interdisziplinäre Informationsplattform und Template für andere Regionen

  • Beratung von WHO und OIE zu Fragen der Tollwutsurveillance, -diagnotik und -bekämpfung
  • Weiterentwicklung und Standardisierung von tollwutspezifischer Diagnose- und Bekämpfungsverfahren
  • Training in Epidemiologie und Diagnostik
  • Antigennachweis mittel Immunfluoreszenztest (IFT)
  • Zellkultureller Virusnachweis (Virusisolierung)
  • Genomnachweis mittels konventioneller und real-time RT-PCR
  • Multiplex real-time RT-PCR zur Differenzierung von Feld- und Impfvirus
  • Multiplex real-time RT-PCR zur Differenzierung von EBLV-1 und -2
  • Stammcharakterisierung durch Genomsequenzierung
  • Antikörpernachweis mittels Neutralisationstest, ELISA und Immunoblot
  • Panel von 30 Referenzseren
  • Verschiedene Tollwutvirus-Referenzstämme
  • Probenpanel von 10 anti-Nukleokapsid monoklonaler Antikörper zur Virustypisierung
  • Pathogenitätsstudien mit EBLV-1 & -2 Virusvarianten
  • Passive Surveillance zur Vorkommen von EBLV-Infektionen von einheimischen Fledermäusen
  • Genotypische Charakterisierung von EBLV-Isolaten aus Europa
  • Entwicklung Lyssavirus-genotypspezifischer Real-Time RT-PCRs
  • Erhebung und Auswertung von Tollwutdaten aus Europa
  • Wissenschaftliche Begleituntersuchungen zur Entwicklung von Tollwutimpfstoffen
  • Entwicklung eines monoklonalen Antikörpercocktails für die postexpositionelle Prophylaxe beim Menschen
  • Tollwut-Verordnung (TW-VO) vom 11. April 2001 (BGBl. I 2001 S. 598)