Stammt das Rötelnvirus aus dem Tierreich?

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Studien weisen erstmals nahverwandte Viren bei Tieren in Deutschland und Uganda nach

Insel Riems, 07. Oktober 2020. Bisher galt der Mensch als einziger natürlicher Wirt des Rötelnvirus (Rubellavirus), Erreger der Röteln („German Measles“). Der Ursprung der Rötelnviren war allerdings nach wie vor unbekannt. In zwei unabhängigen Studien aus den USA und Deutschland wurden nun erstmals näher mit dem Rötelnvirus verwandte Viren auch bei Tieren nachgewiesen. Während ein wissenschaftliches Team aus den USA das sogenannte „Ruhugu-Virus“ bei Zyklopen-Rundblattfledermäusen in Uganda fanden, wies das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) das ebenfalls neue „Rustrela-Virus“ bei Zootieren und in Gelbhalsmäusen nach. Beide Viren zeigen große strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Rötelnvirus und weisen drauf hin, dass dessen Ursprung im Tierreich zu suchen ist. Die Studienergebnisse wurden jetzt gemeinsam in der renommierten Fachzeitschrift „NATURE“ publiziert.

Anlass für die Untersuchung am FLI war die Aufklärung der Todesursache von drei Zootieren. Dort verstarben ein Esel, ein Bennett-Känguru und ein Wasserschwein mit ungeklärter Ursache. Bei allen drei Tieren konnte mittels der Metagenomanalyse, also der Tiefensequenzierung von Erbmaterial und Vergleich mit Erbmaterial verschiedenster Viren, das neue Virus festgestellt werden. Außerdem wurden Gelbhalsmäuse, die als Überträger eines bestimmten Hantavirus in Südosteuropa bekannt sind, analysiert und dasselbe Virus bei Tieren sowohl aus der unmittelbaren Nähe des Zoos als auch aus der Region gefunden. Da in den Gelbhalsmäusen keine Anzeichen einer Erkrankung gefunden wurde, sind sie der wahrscheinliche Reservoirwirt des neuen Virus.

Aufgrund der nahen Verwandtschaft zum Rubellavirus und der Region mit den ersten Nachweisen am Strelasund wurde der Name Rustrela-Virus gewählt. Das amerikanische Forschungsteam der University of Wisconsin-Madison und Partnern war in Uganda eigentlich auf der Suche nach Coronaviren bei Zyklopen-Rundblattfledermäusen und stieß dabei auf das Ruhugu-Virus, benannt nach der Region in Uganda (Ruteete Subcounty), und dem Wort in der lokalen Tooro-Sprache, das den Flügelschlag von Fledermäusen in der Höhle eines Baumes beschreibt: obuhuguhugu.

„Mit dieser gemeinsamen Entdeckung ist das Rötelnvirus des Menschen, mehr als 200 Jahre nach der Erstbeschreibung im Jahr 1814, nicht mehr der alleinige Vertreter einer ganzen Virusfamilie. Die umfassende Analyse der beiden neuen Viren, aber auch die Suche nach möglichen weiteren Tierreservoiren und weiteren Rubellavirus-ähnlichen Erregern sind jetzt ein wichtiges Forschungsfeld, um den Ursprung der menschlichen Rötelnviren noch besser zu verstehen“, so Prof. Dr.  Martin Beer, Leiter der Studie am FLI.

Röteln sind eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, gegen die in sehr vielen Länder geimpft wird. Problematisch sind Infektionen bei nicht geimpften schwangeren Frauen, da eine Rötelnvirusinfektion den Embryo schädigen und zu Totgeburten führen kann. Am stärksten betroffen sind Afrika und Südostasien, da hier die Impfrate weltweit am niedrigsten ist. Die WHO hat sich die globale Ausrottung der Röteln zum Ziel gesetzt. Zur Erreichung dieses Ziels kann das Wissen über den Ursprung des Rötelnvirus einen wichtigen Beitrag leisten.

Studie: Relatives of Rubella virus in diverse mammals
Andrew J. Bennett, Adrian C. Paskey, Arnt Ebinger, Florian Pfaff, Grit Priemer, Dirk Höper, Angele Breithaupt, Elisa Heuser, Rainer G. Ulrich, Jens H. Kuhn, Kimberly A. Bishop-Lilly, Martin Beer, Tony L. Goldberg
DOI: 10.1038/s41586-020-2812-9

Bei Gelbhalsmäusen im betroffenen Zoo und in der Umgebung wurde Rustrela-Virus festgestellt. (Foto © CreativeNaturs_nl)

Bei Gelbhalsmäusen im betroffenen Zoo und in der Umgebung wurde Rustrela-Virus festgestellt. (Foto © CreativeNaturs_nl)