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Institut für molekulare Pathogenese (IMP)

Nationales Referenzlabor für Paratuberkulose

Die Paratuberkulose, auch „Johne'sche Krankheit“ genannt, ist eine durch Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) hervorgerufene chronische entzündliche Darmerkrankung, die vorwiegend bei Wiederkäuern auftritt. Die Inkubationszeit beträgt mehrere Jahre. Klinische Symptome wie Durchfall, Abmagerung bis zur Kachexie und Erschöpfung entwickeln sich erst in der letzten Phase der Erkrankung. Therapieresistenter chronischer Durchfall wird bei Rindern und zunehmend auch bei Ziegen beobachtet, während die klinische Symptomatik bei Schafen vorwiegend durch Abmagerung charakterisiert ist. Bereits vor dem Auftreten klinischer Symptome wird der Erreger intermittierend über den Kot ausgeschieden. Empfänglich für eine Infektion sind primär Jungtiere. Die Paratuberkulose wird über den Handel mit scheinbar gesunden, jedoch infizierten Tieren verbreitet.

Die Erkrankung ist in Deutschland flächendeckend verbreitet und gehört zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten. Sie wurde bisher bei Rindern, Schafen, Ziegen, Rotwild, Rehwild und bei einem Esel nachgewiesen. Vor allem in Milchviehbeständen führt die Paratuberkulose zu z. T. erheblichen direkten und indirekten wirtschaftlichen Verlusten (verminderte Milchleistung, verringerter Schlachterlös infolge Abmagerung, erhöhte Krankheitsanfälligkeit, Tierverluste).

Der Zoonosecharakter der Erkrankung ist umstritten. Eine Bedeutung von MAP in der Pathogenese von Morbus Crohn (MC), einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung des Menschen, wird diskutiert.

Die Diagnostik der Paratuberkulose erfolgt durch den direkten Erregernachweis in Kotproben oder Organmaterial (Jejunum, Ileum, Ileozäkal-Klappe, Darm-assoziierte Lymphknoten) oder indirekt durch den Antikörpernachweis in Serum oder Milch. Der direkte Erregernachweis wird durch mikroskopische Untersuchung (nur bei Organproben, Ziehl-Neelsen-Färbung) oder kulturelle Untersuchung, gekoppelt mit einem anschließenden Genomnachweis (PCR) geführt. Es können PCR-Systeme auf der Basis von IS900, f57, aber auch von anderen Zielsequenzen verwendet werden (Möbius et al., Vet. Microbiol. 126: 324-333, 2008.). Inzwischen hat sich in den diagnostischen Laboren auch der Direktnachweis von MAP-Genom in Kotproben mittels quantitativer real-time PCR durchgesetzt. Mit Stand Januar 2020 sind in Deutschland sechs Real-Time-PCR-Systeme für den Direktnachweis von MAP in DNA-Extrakten aus unterschiedlichen Probenmatrices zugelassen.

Für den Antikörpernachweis in Serum und Milch vom Rind und z. T. auch bei kleinen Wiederkäuern sind in Deutschland z. Zt. (Stand 01/2020) vier ELISA-Tests zugelassen (Testcharakteristika rechts auf dieser Seite).

Der chronische Verlauf der Erkrankung bedingt, dass infizierte Tiere durch die etablierten Nachweismethoden über lange Zeit nicht diagnostiziert werden können. Vor allem bei jungen Tieren (beim Rind bis zu einem Alter von ca. 2 Jahren) schließt ein negatives Testergebnis die Infektion nicht aus. Auch bei älteren Tieren kann nur durch wiederholte Untersuchungen die Sicherheit der Diagnose erhöht werden. Sichere Prävalenzschätzungen sind mit keiner der etablierten diagnostischen Methoden möglich.

Als kostengünstiges Verfahren zur Erhebung des Bestandsstatus bietet sich die Untersuchung von Umgebungskotproben oder Sockentupfern mittels kulturellem und/oder Genom-Nachweis an, mit der positive Bestände bereits bei relativ niedriger Durchseuchung erkannt werden können. Der Antikörpernachweis in Blut- oder Milchproben auf Einzeltierbasis ist ebenfalls zur Erhebung des Bestandsstatus geeignet. Für die Identifizierung von Herden mit einer hohen Prävalenz an MAP-Ausscheidern kann auch der Antikörpernachweis in gepoolten Milchproben oder Tankmilchproben herangezogen werden.

  • Verfahren zur Senkung der Paratuberkulose-Neuinfektionsrate in Milchziegenbetrieben durch Impfung (ParaVac). ELER, Europäische Innovationspartnerschaft, 2020-2023) 
  • Flüchtige organische Substanzen (VOC) von Erreger und Wirt als Biomarker bakterieller Infektionen. (DFG, 2015-2018, Zusammenarbeit mit AG Pathologie und Pathophysiologie des IMP)
  • Flüchtige organische Substanzen (VOC) von Erreger und Wirt als Biomarker bakterieller Infektionen. (DFG, 2012-2015, Zusammenarbeit mit AG Pathologie und Pathophysiologie des IMP)
  • Identifizierung wirtsassoziierter Biomarker für die latente  Infektion von Wiederkäuern mit Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis. (Teilprojekt im EMIDA-ERA-Net Verbund „Mycobactdiagnosis“, 2012-2015)
  • Differenzierung von Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis Isolaten – Zusammenhang zwischen Genotyp und Phänotyp. (Teilprojekt VI: BMBF-Verbund „ZooMAP“, 2010-2013)
  • Entwicklung besserer Testsysteme für die Diagnostik sowie die Entwicklung und Prüfung von Impfstoffen für die Paratuberkulose, (FLI, TSK Baden-Württemberg, Hessische TSK, TSK Mecklenburg-Vorpommern, Niedersächsische Tiersuchenkasse, TSK Rheinland-Pfalz, Thüringer TSK, 2009-2012)
  • Veterinary Network of Laboratories Researching into Improved Diagnosis and Epidemiology of Mycobacterial Diseases. (Co-ordination Action SSPE-CT-2004-501903, VENoMYC, Europäische Union, 2004-2010)
  • Differenzierung von Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis Isolaten unterschiedlicher Herkunft mit einem neuen, standardisierten Typisierungsprotokoll. (Teilprojekt VI: BMBF-Verbund „ZooMAP“, 2007-2010)
  • Evaluation der Impfung gegen Paratuberkulose beim Rind als Bekämpfungsmaßnahme. (FLI, 2007-2009)
  • Kulturelle Anzüchtung von Map und anderen Mykobakterien aus Kot- und Organproben
  • Kulturelle Prüfung der Mykobaktinabhängigkeit von Map
  • Direktnachweis von MAP in Kot-, Gewebe- und Umgebungsproben mittels Real-time PCR
  • Molekulare Typisierung von MAP mittels PCR, PCR-REA, RFLP, MIRU-VNTR und MLSSR
  • Antikörpernachweis in Serum- und Milchproben mittels ELISA
  • Ansprechpartner für Bundes- und Länderbehörden zu Fragen der Paratuberkulose-Diagnostik und Bekämpfung
  • Erreger-, Genom- und Antikörpernachweis zur Abklärung unklarer Ergebnisse
  • Molekulare Typisierung von Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis-Isolaten
  • Bereitstellung von Referenzmaterial (Serum-, Milchproben)
  • Laborprüfung im Rahmen der Zulassung und Chargenprüfung von Testkits
    Durchführung nationaler Laborvergleichsuntersuchungen
  • Serum- und Milchpanel von definierten Paratuberkulose-positiven und Paratuberkulose-unverdächtigen Rindern
  • Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten vom 20. Dezember 2005 (BGBl. IS. 3517)
  • Empfehlungen für hygienische Anforderungen an das Halten von Wiederkäuern. III. Hygienemaßnahmen bei besonderen Krankheiten, 1. Maßnahmen zum Schutz gegen die Paratuberkulose in Rinderhaltungen (BAnz AT 01.08.2014 B1)