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Tierseuchengeschehen

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Klassische Geflügelpest

Risikobewertung, 18. März 2016

Nach dem weltweit verstärkten Auftreten von Geflügelpestausbrüchen im ersten Halbjahr 2015, die durch verschiedene Influenzavirus-Subtypen verursacht wurden, hat sich die Situation wieder etwas beruhigt. In seiner aktuellen Risikobewertung berücksichtigt das Friedrich-Loeffler-Institut neben verschiedenen hochpathogenen Influenzaviren (HPAI) auch niedrigpathogene Subtypen (NPAI), die vor allem in Hausgeflügelbeständen zu hochpathogenen Varianten mutieren können.

In Europa erfolgte im Februar 2015 der letzte Nachweis des hochpathogenen aviären Influenzavirus (HPAIV) vom Typ H5N8 (Klade 2.3.4.4) bei Hausgeflügel in Ungarn und bei Wildvögeln (zwei Höckerschwänen) in Schweden. Im Juli 2015 wurden je ein HPAI H7N7-Ausbruch im Vereinigten Königreich und in Deutschland (Emsland) gemeldet. In Deutschland war das Virus vermutlich in einem Legehennenbetrieb aus einem niedrig pathogenen Vorläufervirus in die hochpathogene Form mutiert. Zwischen November 2015 und März 2016 wurden in Frankreich bisher insgesamt 75 Fälle von HPAIV H5 europäischen Ursprungs überwiegend in Entenbeständen festgestellt. Es wurden verschiedene Viren isoliert, darunter NPAIV und HPAIV der Subtypen H5N1, H5N2 und H5N9. Ein großräumiges Restriktionsgebiet soll die innergemeinschaftliche Ausbreitung der Geflügelpest verhindern.

Seit April 2015 werden vermehrt Geflügelpestausbrüche durch HPAIV H5N1 (Klade 2.3.2.1c) aus Afrika und Asien gemeldet. Aus Westafrika wurden der Weltorganisation für Tiergesundheit („Office International des Epizooties“, OIE) zwischen Juni 2015 und 29. Februar 2016 263 Ausbrüche bei Geflügel, vor allem in Nigeria und Ghana mitgeteilt. In Ägypten und vermutlich weiteren nordafrikanischen Regionen hat sich ein anderer HPAIV H5N1 Virusstamm (Klade 2.2.1.2) im Geflügel endemisch etabliert.

Das HPAIV H5-Geschehen (Klade 2.3.4.4), welches in den USA zu weit über 200 Geflügelpestausbrüchen in 15 Bundesstaaten geführt hatte, ist im Laufe des Jahres 2015 verebbt. Im Jahr 2016 wurde ein Ausbruch von HPAIV H7N8 bei Puten aus Indiana gemeldet.

Zusammenfassend wird das Risiko für Einschleppung und Verbreitung von HPAIV in Hausgeflügelbestände in der Bundesrepublik Deutschland durch legale Einfuhr aus Drittländern sowie Personen- und Fahrzeugverkehr als gering eingeschätzt. Ein mäßiges Risiko gilt für das innergemeinschaftliche Verbringen von Geflügel und illegale Einfuhr aus Drittländern. Für eine Einschleppung und Verbreitung über Wildvögel besteht nach wie vor ein geringes bis mäßiges Risiko, das sich durch die Zugaktivität der Tiere voraussichtlich ab August erhöht.